franchiseERFOLGE Ausgabe März-Mai 2019

Thomas Doeser: Studium der Rechts- und Wirtschaftswis- senschaften mit Schwerpunkten auf kooperativen Vertrags- vertriebssystemen, Franchising, Licensing und internationale Vertriebssysteme. Seit 1980 Partner einer international tätigen Unternehmensbe- ratung (BDU) mit Schwerpunkten in Nordamerika und Osteuro- pa mit der Spezialisierung auf die Konzeption und den Aufbau von Vertriebssystemen. 1980 Organisator des ersten Franchi- sekongresses in Deutschland sowie der ersten Franchisemes- se in Deutschland. Seit 1983 selbstständiger Rechtsanwalt in Tübingen Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der E.F.LAW, der European Franchise Lawyers Association EEIG. Spezialgebiet Franchise- und Lizenzrecht sowie Strategieent- wicklung und Beratung von Mandanten beim Auf- und Ausbau von Vertriebssystemen im In- und Ausland. Aktiv auch im operativen Bereich im Rahmen von Interimsmanagement und Treuhandmanagement. Projektarbeit in ganz Europa, Nord- amerika sowie in Russland und in China. Seit 1980 zahlreiche Veröffentlichungen und Fachbuchbeiträge unter anderem zum The- ma Franchising, Strategie und Management. Regelmäßige Kolumnen in bekannten Wirt- schaftszeitschriften sowie umfangreiche Vortragstätigkeiten im In- und Ausland auf Fachmessen, bei IHK's sowie unter anderem beim Deutschen Franchiseinstitut oder bei der ESB (European School of Business) in Reutlingen. Mitglied der E.F.LAW (Europäische Franchiseanwaltsvereinigung), Mitglied im Rechtsausschuß des Deutschen Franchisever- bandes, Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Vertriebsrecht, Mitglied beim Deutschen Fachjournalistenverband, 2000 bis 2016 Vorstandsvorsitzender der Beratergruppe Strategie (EKS) e.V. und eine Vielzahl weiterer Aktivitäten und Mitgliedschaften im In- und Ausland. Kontakt: Rechtsanwalt Thomas Doeser Robert Gradmann Weg 1 · 72076 Tübingen · Tel. 07071 600630 · E-Mail: tdoeser@t-online.de Foto: © Gerhard Blank Der Autor Von der Art und der Qualität der angebote- nen Speisen, der verwendeten Lebensmittel und Zutaten bis zur Art und Weise der Verar- beitung, der Präsentation und dem Service gibt es unzählige Optionen, sich dem wan- delnden Geschmack der immer weiter diffe- renzierten Zielgruppen anzupassen. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung, verbunden mit einer immer weitergehenden Individu- alisierung der Angebote für agile Zielgrup- pen werden vollkommen neue Prozesse und Systeme aufgesetzt. Das kann sich kaum ein Einzelbetrieb mehr leisten, um auch zukünf- tig wettbewerbsfähig zu bleiben, weshalb Filial- und Franchisesysteme hier klar besser aufgestellt sein dürften. Aber auch für ausgefallenere Konzepte gibt es nach wie vor Chancen und Poten- ziale, sich auf einem klar definierten Markt durchzusetzen. Jedes neue Konzept auf demMarkt weckt neue Wünsche und Ideen für noch bessere Konzepte, und da es sich beim Essen und Trinken um nachhaltige Grundbedürfnisse handelt, wird es immer einen ausreichenden Markt für neue Kon- zepte geben, die dem Zeitgeist und den Zielgruppen folgen. Der aktuelle Zeitgeist ist stark geprägt von digitalen Angeboten, steigender Bequemlichkeit und Servicean- spruch der Kunden. Das spiegelt sich unter anderem an dem starken Wachstum der Lieferdienste wider, die schon Fastfood in steigendem Umfang ausliefern! Erfolg (für Systemgeber und Systempartner) versprechende Franchisekonzepte setzen allerdings voraus, dass die vom Anbieter dargestellten Erfolgsfaktoren konsequent formuliert, standardisiert und dokumentiert sein müssen, um mit selbstständigen Part- nern an jedem anderen passenden Standort erfolgreich umsetzbar zu sein. Vorteil der Systemgastronomie ist deren Vertrautheit mit standardisierten Abläufen, Checklisten und hohen Organisationsanforderungen, weshalb man in dieser Branche einen an- spruchsvollen Standard bei den formulier- ten Erfolgsparametern erwarten darf. Dabei kommt es darauf an, dass die "Handbücher" (heute nur noch digital) franchisetypischen Know-how Transfer ermöglichen und diese so formuliert sind, dass der Franchiseneh- mer damit effizient arbeiten kann. Moderne Systeme nutzen heute konsequent das Internet mit allen Online-Werkzeugen zur Führung ihrer Systeme, die schnell und nachhaltig den Erfolg der Partner fördern. Unternehmenswikis, adaptive Online- Schulungen, Warenwirtschaft, Buchhaltung, Werbung und Marketing sind dabei nur ei- nige Stichworte zu dem, was ein System- partner online verfügbar hat, und was ein Systeminteressent sich vor Abschluss eines Franchisevertrages auch in der Praxis zei- gen lassen muss. Am besten kann man dies durch ein Praktikum bei einem Franchisean- bieter erleben, bei dem man die Systeman- wendung konkret als Anwender und Emp- fänger der dort enthaltenen Anweisungen auf Qualität prüfen kann. Ein Interessent sollte gerade im Zuge der Digitalisierungs- konzepte der Anbieter prüfen, ob er sich darin wiederfindet für die Dauer der langen Vertragslaufzeiten eines Franchisevertrages und damit verbundener Miet-, Leasing- und Finanzierungsverträge etc. Die großen Markenanbieter wollen in der Regel den engagierten Unternehmer vor Ort, der das Markenkonzept am POS lebt und aktiv umsetzt. Auch sollte ein Franchi- sekandidat sich nicht von großen Marken und Namen so beeindrucken lassen, dass er seine vorvertraglichen Aufklärungsansprü- che nicht ausführlich nutzt. Sorgfältige Re cherchen im Internet und in sozialen Netz- werken bringen dabei oft überraschende Informationen, die auch vor Abschluss eines Franchisevertrages befragte Berater über- prüfen können. Dabei sind auch Gütesiegel von Verbänden und Institutionen nicht im- mer ein tragfähiger Grund für einen Ver- tragsabschluss. Bedingt durch das Wachstum der System- gastronomie in Deutschland kommen ver- mehrt Anbieter aus dem Ausland, teilweise mit Masterangeboten. Darunter sind durch- aus interessante Anbieter. In der Praxis muss 8 Wachstumsmarkt Systemgastronomie mit Franchisesystemen Gastronomiekonzepte werden schon lange erfolgreich im Wege des Franchising multipliziert. Erfolg­ reiche Geschäftskonzepte werden systematisch standardisiert und unter einem einheitlichen Marken­ dach national und auch international angeboten. Essen und Trinken zu verkaufen folgt wie in der Mode einem ständigen Wandel. Ernährung bleibt als Grundbedürfnis nachhaltig immer präsent. Geändert werden jedoch die Angebotsparameter. franchise WISSEN . Foto: © Pixabay

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