franchiseERFOLGE Nr. 94 - Ausgabe März-Mai 2020

Rechtsanwalt Thomas Doeser: Studium der Rechts- und Wirt- schaftswissenschaften mit Schwerpunkten auf kooperativen Vertragsvertriebssystemen, Franchising, Licensing und inter- nationale Vertriebssysteme. Seit 1980 Partner einer international tätigen Unternehmensbe- ratung (BDU) mit Schwerpunkten in Nordamerika und Osteuro- pa mit der Spezialisierung auf die Konzeption und den Aufbau von Vertriebssystemen. 1980 Organisator des ersten Franchi- sekongresses in Deutschland sowie der ersten Franchisemes- se in Deutschland. Seit 1983 selbstständiger Rechtsanwalt in Tübingen Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der E.F.LAW, der European Franchise Lawyers Association EEIG. Spezialgebiet Franchise- und Lizenzrecht sowie Strategieent- wicklung und Beratung von Mandanten beim Auf- und Ausbau von Vertriebssystemen im In- und Ausland. Aktiv auch im operativen Bereich im Rahmen von Interimsmanagement und Treuhandmanagement. Projektarbeit in ganz Europa, Nordamerika sowie in Russland und in China. Seit 1980 zahlreiche Veröffentlichungen und Fachbuchbeiträge unter anderem zum Thema Franchising, Strategie und Management. Regelmäßige Kolumnen in bekannten Wirtschafts- zeitschriften sowie umfangreiche Vortragstätigkeiten im In- und Ausland auf Fachmessen, bei IHK's sowie unter anderem beim Deutschen Franchiseinstitut oder bei der ESB (European School of Business) in Reutlingen. Mitglied der E.F.LAW (Europäische Franchiseanwaltsver- einigung) Bis 2019 seit über 38 Jahren Mitglied im Rechtsausschuß des Deutschen Franchise- verbandes, Mitglied beim Deutschen Fachjournalistenverband, 2000 bis 2016 Vorstandsvor- sitzender der Beratergruppe Strategie (EKS) e.V. und eine Vielzahl weiterer Aktivitäten und Mitgliedschaften im In- und Ausland. Kontakt: Rechtsanwalt Thomas Doeser Robert Gradmann Weg 1 · 72076 Tübingen · Tel. 07071 600630 · Telefax 07071 600345 E-Mail: tdoeser@t-online.de · w ww.franchiseanwalt.de Foto: © Gerhard Blank Der Autor Systemgastronomie verfügt, wie aus der Bezeichnung ersichtlich, über ein einheitli- ches System aus standardisierten Modulen und optimiertem Prozessmanagement für alle Systemstandorte. Bei Franchisesyste- men kommt hinzu, dass die Anforderungen für ein erfolgreiches Franchisekonzept in der Systemgastronomie in der Regel hö- her sind, da man neben dem reinen Gast- ronomiekonzept zusätzliche Prozesse für selbstständige Franchisepartner abbilden muss mit deutlich höheren Ansprüchen als bei Filialsystemen. Die Haftungsrisiken eines Franchiseanbie- ters bestehen nicht nur gegenüber den Kunden eines Systems, sondern auch ge- genüber den selbstständigen Franchise- partnern. Die gesellschaftlichen Ansprüche an die Gastronomie unterliegen einem stetigen Wandel, geprägt von veränderten Kundenbedürfnissen an Angebotsstruktu- ren und Auswahloptionen wie zum Beispiel vegetarisch bis vegan und mit regionalen und gesunden Zutaten. Tierwohl und Her- kunft von Lebensmitteln werden ebenfalls vermehrt hinterfragt. Hinzu kommen wei- tere Belastungen wie umweltfreundliche- re Verpackungen oder umweltgerechte Entsorgungskonzepte. Erste Kommunen erheben bereits Verpackungssteuern mit Auswirkungen auf die Rendite von System- betrieben. Auch die Digitalisierung hält Einzug in der Systemgastronomie ebenso wie Robotic und innovative Schulungsansätze für die jünge- ren Generationen von Franchisepartnern, Managern und Mitarbeitern. Der Anpas- sungs- und Innovationsdruck auf Franchise- systeme wird damit nicht geringer. Nur agile und gut aufgestellte Systemanbieter können die Vorteile der immanenten Notwendigkeit von optimiertem Prozessmanagement im Rahmen moderner Digitalisierungsstrate- gien zum Erhalt und Ausbau ihrer Wettbe- werbsvorteile wirklich nutzen. Schon heute verfügen solche Franchisesysteme über ei- nen sehr hohen Organisationsgrad und eine starke Vernetzung mit großen Datenmengen aus den Systembetrieben. Big Data und Di- gitalisierung sind bei diesen Systemen schon state of the art und werden immer schneller weiter entwickelt. Nicht nur Daten sammeln, sondern daraus durch Processmining ständig Optimierun- gen entwickeln bis hin zur künstlichen In- telligenz (KI) und Robotic sind der aktuelle Trend, mit dem man auch künftig Kunden und Partner gewinnen und halten kann. Si- cher aber ist, dass das Grundbedürfnis Es- sen und Trinken immer gleich bleibt. Ändern werden sich jedoch eine ganze Reihe von Parametern. Von der Art und der Qualität der angebotenen Speisen, der verwende- ten Lebensmittel und Zutaten bis zur Art und Weise der Präsentation und dem Ser- vice gibt es unzählige Optionen, sich dem wandelnden Geschmack der Zielgruppen anzupassen. Auch ausgefallenere Konzepte haben immer wieder Chancen, sich auf dem Markt durchzusetzen, heute allerdings nicht mehr ohne optimiertes Prozessmanage- ment in Verbindung mit innovativen Digi- talisierungsstrategien bis zur künstlichen Intelligenz (KI). Nicht zu vergessen sind dabei auch disruptive Geschäftsmodelle zum Beispiel von Lieferdiensten und alter- nativen Logistikmodellen. Moderne Sys- temgastronomie nutzt heute konsequent das Internet mit allen Online-Werkzeugen zur Führung ihrer Systeme, die schnell und effizient den Erfolg der Partner fördern. Unternehmenswikis, moderne Online-Schu- lungskonzepte, Warenwirtschaft, Buchhal- tung, Werbung und Marketing sind dabei nur einige Stichworte zu dem, was ein Sys- tempartner online verfügbar hat und was ein Systeminteressent sich vor Abschluss eines Franchisevertrages auch zeigen und in der Praxis vorführen lassen sollte. Als Markengastronom muss der Anspruch einer klar definierten Markenleistung, die an jedem Standort gleichwertig sein sollte durch präzise Systemrichtlinien mit konse- quenter Anwendungskontrolle gesichert werden. Das dient dem System und allen Systempartnern zur Sicherung des nach- haltigen Erfolgs der Marke. Die unterneh- merische Freiheit eines Franchisepartners kann daher nur in eingeschränktem Rah- men vorhanden sein, da er von dem Image und den Leistungen einer Markengastro- nomie partizipieren will, was nur durch die konsequente Anwendung des in den Sys- temrichtlinien vorgegebenen Konzeptes machbar ist. Je stringenter die Vorgaben und je strenger die Qualitätskontrollen bei einem Franchi- separtner, desto größer die Verantwortung für den Systemerfolg bei dem Franchisege- ber. Die regelmäßig sehr anspruchsvollen und umfangreichen Systemrichtlinien bei Gastronomiekonzepten werden nach DIN ISO- Normen strukturiert und sind auch im Sinne von unternehmerischen Wissensma- nagementsystemen aufgebaut und durch 14 Systemgastronomie und KI im Zeitalter der Digitalisierung Es liegt in der Natur der Sache, dass viele Konzepte der Systemgastronomie als Franchisekonzept an- geboten und geführt werden. Gastronomiekonzepte, die nachhaltig erfolgreich wirtschaften, können systematisch standardisiert und unter einem einheitlichen Markendach national und international durch Franchising vervielfältigt werden. franchiseWISSEN.

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