franchise ERFOLGE - Ausgabe März-Mai 2021

14 Wir wollen doch nur essen – aber nicht alleine! Ich laufe über den Kurfürstendamm in Berlin, Mitte Februar 2021. Viele Geschäfte, die dort noch immer geschlossen bleiben müssen, werden nicht mehr öffnen. Insbesondere viele Gastronomiebetriebe. Nie wieder! Ich kann nicht anders als hinter jedem verdeckten Schaufenster die Unternehmerin, den Unternehmer zu sehen, die bzw. der das hier auf- gebaut hat. Zerstörte Träume, Lebenswerke. franchiseWISSEN. Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Partner und die Kinder, hoffe, dass sie fa- miliär zusammenhalten und trotzdem stolz bleiben auf das, was sie erreicht haben. Ich sehe die Mitarbeiter, denen es ähn- lich geht und denen von Herzen die Gäste fehlen, für die sie so gerne da wären. Ihr fehlt, ihr lieben Restaurants, Bars und Bis- tros! Nichts würde ich lieber tun, als jetzt nach meinem langen Winterspaziergang in mein Lieblings-Café Aedes Signorel- lo in der Bleibtreustraße zu gehen, einen Cortado schlürfen, mit Signore plaudern, nach draußen schauen. Geht aber nicht. Der erste Lockdown ist schon zwölf Mo- nate her. Letzten Sommer war ich hier. Bis dahin hatte es das Aedes durchgehalten. Keine Ahnung, wie es Signore jetzt so geht. Vermutlich ist es auf dem Dorfplatz seines italienischen Heimatdorfes lebendiger als hier am Savignyplatz. Tote Hose könnte man sagen. Bei Eiseskälte. Haben die Gastronomen und Hoteliers et- was falsch gemacht? Die großen und klei- nen Restaurants, die großen und kleinen Cafés, die mit und ohne Franchisenetz- werk? Nein, haben sie nicht. Ein Unterneh- men erfüllt Bedingungen. Das macht es so gut, das die Leute für seine Produkte und Dienstleistungen Geld bezahlen. Durch die Entscheidung für die Corona-Maßnahmen hat der Staat die Bedingungen verändert: Du musst schließen – Du musst in ein Hygienekonzept investieren – Du musst schließen. Kaum jemand kann sein Geschäft so schnell solch radikalen Bedingungsän- derungen anpassen. Selig diejenigen, die schon immer Lieferservice angeboten ha- ben und jetzt auf Basis bereits etablierter Strukturen das Tempo noch weiter anziehen können. Manche bieten jetzt noch schnell Liefer- und Abholservice an und hoffen so, ihre Nase irgendwie über Wasser zu halten. Mangelnde Kreativität kann man den Gas- tronomen nicht vorwerfen. In Neumüns- ter parken Wohnmobilisten vor einem Gourmet-Restaurant, das feines Essen in die Fahrzeuge bringt. So geht durch Verpa- ckung und Transport nicht die Top-Qualität verloren. Aber diese Kreativität schwankt zwischen unternehmerischen Aufbruch und purer Verzweiflung. Wen diese Krise trifft

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