franchiseERFOLGE Juni-Aug. 2020

Rechtsanwalt Thomas Doeser: Studium der Rechts- und Wirt- schaftswissenschaften mit Schwerpunkten auf kooperativen Vertragsvertriebssystemen, Franchising, Licensing und inter- nationale Vertriebssysteme. Seit 1980 Partner einer international tätigen Unternehmensbe- ratung (BDU) mit Schwerpunkten in Nordamerika und Osteuro- pa mit der Spezialisierung auf die Konzeption und den Aufbau von Vertriebssystemen. 1980 Organisator des ersten Franchi- sekongresses in Deutschland sowie der ersten Franchisemes- se in Deutschland. Seit 1983 selbstständiger Rechtsanwalt in Tübingen Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der E.F.LAW, der European Franchise Lawyers Association EEIG. Spezialgebiet Franchise- und Lizenzrecht sowie Strategieent- wicklung und Beratung von Mandanten beim Auf- und Ausbau von Vertriebssystemen im In- und Ausland. Aktiv auch im operativen Bereich im Rahmen von Interimsmanagement und Treuhandmanagement. Projektarbeit in ganz Europa, Nordamerika sowie in Russland und in China. Seit 1980 zahlreiche Veröffentlichungen und Fachbuchbeiträge unter anderem zum Thema Franchising, Strategie und Management. Regelmäßige Kolumnen in bekannten Wirtschafts- zeitschriften sowie umfangreiche Vortragstätigkeiten im In- und Ausland auf Fachmessen, bei IHK's sowie unter anderem beim Deutschen Franchiseinstitut oder bei der ESB (European School of Business) in Reutlingen. Mitglied der E.F.LAW (Europäische Franchiseanwaltsver- einigung) Bis 2019 seit über 38 Jahren Mitglied im Rechtsausschuß des Deutschen Franchise- verbandes, Mitglied beim Deutschen Fachjournalistenverband, 2000 bis 2016 Vorstandsvor- sitzender der Beratergruppe Strategie (EKS) e.V. und eine Vielzahl weiterer Aktivitäten und Mitgliedschaften im In- und Ausland. Kontakt: Rechtsanwalt Thomas Doeser Robert Gradmann Weg 1 · 72076 Tübingen · Tel. 07071 600630 · Telefax 07071 600345 E-Mail: tdoeser@t-online.de · w ww.franchiseanwalt.de Foto: © Gerhard Blank Der Autor Jetzt zeigt sich, welche Franchiseanbie- ter über ein solides Prozessmanagement verfügen und welche Anbieter ihre „Haus- aufgaben“ gemacht haben. Der Autor hat schon vor Jahren auf die Erstellung von Notfallplänen und finanzielle Krisenlö- sungen von Franchisesystemen für deren Systempartner hingewiesen, was einzelne Systeme z. B. durch interne Notfallfonds für eventuell in Schwierigkeiten geratene Systempartner umgesetzt haben. Aller- dings ging es der Franchisewirtschaft gut genug, dass solche Überlegungen nicht priorisiert wurden. Das dürfte sich geän- dert haben. Die aktuelle Lage zwingt alle Franchise- anbieter zur Anpassung ihrer Systeme und zur nachhaltigeren Absicherung aller Systembeteiligten. Es werden viele gute und auch innovative Ideen und Aktionen sichtbar. Dabei wird auch ein immanen- ter Vorteil des Franchising offenkundig, der vor allem systemische Lösungen und Maßnahmen erfordert und vorrangig die Sicherung seiner Systempartner im Focus hat. Das ist natürlich keine Einbahnstraße vom Franchisegeber zum Franchiseneh- mer, der bei systemischen Maßnahmen auch an seine Mitwirkungspflichten den- ken muss. Leider ist in der aktuellen Lage aufgrund der gesetzlichen und regional oft unter- schiedlichen behördlichen Maßnahmen kaum eine gesicherte Planung für die Fran- chisebetriebe möglich, vor allem bei der Systemgastronomie. Trotz aller Anstren- gungen und auch finanziellen Zuschüssen und/oder Steuerlösungen werden nicht alle Systeme und Systempartner diese Kri- se unbeschadet überstehen. Nur nachhaltig aufgestellte Franchiseanbieter mit solider 14 Franchising in Krisenzeiten Franchising ist ein Vertriebsmodell für unterschiedlichste Branchen mit mehr oder weniger selbststän- digen Partnern, die unter einer Marke Produkte und Dienstleistungen anbieten. In der aktuellen Situa- tion sind Franchisenehmer und Franchisegeber massiv von behördlichen Maßnahmen unverschuldet betroffen und teilweise existenziell bedroht. franchiseWISSEN. Struktur und Substanz werden auch wei- terhin wieder erfolgreich wirtschaften und wachsen. Insoweit lässt eine erwartbare Marktbereinigung diese Franchiseanbieter auch überleben. Nichts wird wieder wie vorher und jeder weiss, dass nach der Krise vor der nächs- ten Krise ist. Jetzt wird vieles ausprobiert und es werden auch viele Fehler gemacht, die nach der Krise aufgearbeitet werden. Daher sollte man aktuell auch daran den- ken, gegen behördliche Auflagen und Maßnahmen Widersprüche zu prüfen bzw. anwaltlich prüfen zu lassen, nicht zuletzt zur Sicherung etwaiger Entschädigungs- ansprüche nach einer gerichtlichen Über- prüfung. Der Rechtsstaat funktioniert und wird sicher Fragen zur Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit der verfügten Maßnahmen nachträglich hinterfragen. Es sind bereits tausende von Verfahren an- hängig. Die aktuelle Situation ist aber ein idealer Nährboden für neue Konzepte und Ge- schäftsmodelle für die gesellschaftlich weitreichenden Folgen der Krise. Die durch die Krise beschleunigte Digitalisierung eröffnet neue Chancen für fast alle Fran- chisesysteme und auch für neue Franchi- sesystementwicklungen mit ganz neuen Geschäftsmodellen. Allein die Vielzahl neuer Portale und Funktionen mit Ver- netzung regionaler Anbieter sind für das Franchising hochinteressante Potenziale. Jetzt ist die Zeit für neue Strategien und innovative Methoden zu deren Umsetzung. Jahrzehntelange Erfahrung im Franchising kennt auch die antizyklische Entwicklung des Franchising. Das bedeutet, dass in An- betracht der wohl steigenden Arbeitslo- senzahlen viele neue Gründer nach geeig- neten Gründungsideen und Möglichkeiten einer Selbstständigkeit suchen werden, was bei geringer Arbeitslosigkeit weniger der Fall ist. Systemgestützte Gründungen durch Fran- chising sind dabei besonders attraktiv, insbesondere wenn diese in der aktuel- len Krise nachhaltige Konzepte bewiesen haben. Die neuen Franchiseinteressenten werden sicher vermehrt systemische Kon- zepte für Krisenzeiten bei Franchisean- bietern nachfragen und deren Antworten darauf sollten valide sein. Auch dürfte zu erwarten sein, dass eine verstärkte staatliche Gründerförderung erfolgen wird bzw. erfolgen muss, die für künftige Franchisenehmer vorgedacht sein sollte zur Optimierung einer Franchisegrün- dung. Auch für das Franchising gilt daher der alte Satz, Krisen auch als Chancen zu begreifen, alte Strategien und Prozes- se auf den Prüfstand zu stellen und agil den veränderten Umständen anzupassen. Attempto! y Foto: © Gerd Altmann/Pixabay

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