franchiseERFOLGE Juni-Aug. 2020

franchiseEXTRA. Die Geschichte ist voll von „Krisen“ Die Geschichte ist voll von Unternehmen, die in sogenannte „Krisen“ geschlittert sind. Viele von ihnen haben diese tatsächlich nicht überlebt. Wir alle wissen, was zum Beispiel mit Grundig, Kodak, Saab, Nokia und Weltbild passiert ist. Ganze Wirt- schaftszweige gehen ab und an durch schwierige Zeiten, so wie die deutsche Stahlindustrie und die Unterhaltungselek- tronikbranche in den späten 1970er Jahren; die deutsche Textilindustrie in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren – und dann wieder Mitte der 1990er Jahre; die Möbelin- dustrie in Deutschland seit dem Jahr 2000; oder die hiesige Solarbranche zu Beginn der zweiten Dekade in diesem Jahrtausend, die Finanzkrise in 2008, um nur ein paar Bei- spiele zu nennen. Aber sprechen wir hier wirklich von Krisen? Bedeutet ein Umsatzrückgang in der Con- tainerschifffahrt und der Druckindustrie wirklich, dass dort eine Krise herrscht? Hat der Kapitalismus, verglichen zu anderen Wirtschafts- und Gesellschaftsformen, tat- sächlich so viel Schaden angerichtet, dass wir mit Recht sagen können, er befände sich in einer Krise? Befinden sich die Deut- schen wirklich in einer Krise, weil Leute, die vor Krieg und Unglück in ihrer Heimat geflo- hen sind, hier Schutz suchen? Der Wandel ist schuld Das Internet hat in dramatischer Weise verändert, wie wir uns informieren, An- gebote vergleichen und einkaufen. Einige Unternehmen und teils ganze Branchen spüren negative Auswirkungen. Man muss nur Reiseagenturen, Elektronikläden und traditionelle Buchhändler fragen. Aber es gibt immer auch Menschen, Unternehmen, Branchen und ganze Wirtschaftsräume, die im Gegensatz zu anderen von solchen Ent- wicklungen profitieren. Das Internet und weitere Fortschritte in der Kommunikationstechnologie werden auch künftig Wandel mit sich bringen. Im „Smart Home“ werden Daten aus der Heizung, aus Haushaltsgeräten und zahlreichen anderen Anwendungen über das Internet mitein- ander verbunden. Auch diese Entwicklung wird „Krisen“ für die einen und Chancen für die anderen mit sich bringen. Soziale Trends, wie die sogenannte „Share Economy“, haben unter anderem in der Au- tomobilindustrie zu hektischer Betriebsam- keit geführt. Jungen Leuten scheint es nicht so wichtig zu sein, Autos selbst zu besitzen – stattdessen teilen sie sich das Auto mit an- deren Leuten und zahlen je nach Gebrauch. Die Herausforderungen für die Menschheit werden sicher nicht kleiner. Im Jahr 1935 gab es auf der Erde 2,6 Milliarden Menschen; jetzt sind wir 7 Milliarden. Steuern wir auf eine Überbevölkerungskrise zu? Wie ver- trägt sich das mit den Meldungen über die demografische Krise mit alternder und schrumpfender Bevölkerung? Müssen wir uns vor Energiemangel fürchten? Die obenstehenden Beispiele besitzen eine große Gemeinsamkeit: Jede einzelne dieser „Krisen“ hat mit der Tatsache zu tun, dass Menschen, Organisationen und Gesell- schaften sich mit Wandel auseinanderset- zen – sei es, dass dieser sich von innen he- raus entwickelt oder von außen veranlasst ist. „Jede neue Anpassung ist eine Krise des Selbstwertgefühls“ sagte der Philosoph und Autor Eric Hoffer einmal. In der klinischen Pathologie wird „Krise“ als die plötzliche Veränderung einer Krankheit, zum Besseren oder Schlechteren hin, bezeichnet. Wandel hingegen ist etwas Normales und passiert jeden Tag. Aber er stellt eine ernsthafte He- rausforderung für viele Leute dar. Wie Herausforderungen zu Krisen werden Menschen mögen keine Veränderungen Warum ist es für viele Menschen so schwie- rig, sich mit Herausforderungen auseinan- derzusetzen? Warum werden Herausforde- rungen zu Krisen? Dafür gibt es viele unterschiedliche Grün- de, die dazu geeignet sind, die Mechanis- men hinter Krisen zu erklären. Es ist wichtig, dass wir diese Mechanismen verstehen – schließlich wollen wir ja wissen, wie wir aus Krisen wieder herausfinden können oder gar nicht erst in Krisen geraten. In gewisser Weise ist es natürlich, dass unsere erste Reaktion auf Wandel aus Wi- derstand besteht. Für viele Menschen stellt Wandel aber ein echtes Problem dar, das Angst, Verunsicherung, Orientierungslosig- keit und Stress verursacht. Diese Zustände verstärken sich gegenseitig und können eine Organisation immer tiefer in eine Ab- wärtsbewegung ziehen, den man allgemein wohl als „Krise“ bezeichnen würde. Krisen: Management in schwierigen Zeiten Anlässlich der aktuellen Pandemie und der daraus resultierenden Wirtschaftskrise, hat sich die Chef- redaktion entschieden, eine hochinteressante Abhandlung von Prof. h.c. Manfred Maus, die vor drei- einhalb Jahren in mehreren Ausgaben von franchiseERFOLGE als Fortsetzungsreihe erschien, Ihnen, liebe Leser erneut ans Herz zu legen und hier zu präsentieren. Mögen Sie daraus einen großen Nutzen ziehen! Erkenntnisse aus der Werte-orientierten Unternehmensführung Wandel ist Normalität, keine Ausnahme von Prof. h.c. Manfred Maus (Mitbegründer von OBI) und Dr. Michael Scherm 16 Prof. h.c. Manfred Maus

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