franchiseERFOLGE - Ausg. Juni-Aug. 2021

14 Franchising von neuen Geschäftsmodellen In Zeiten der massiven Auswirkungen einer Pandemie werden viele Geschäftsmodelle ihre Grundla- gen hinterfragen und wohl auch anpassen oder gar ein- bzw. ganz umstellen müssen. Das Kunden- verhalten und damit die Zielgruppen und die anvisierten Märkte erfahren erhebliche Änderungen in Pandemie-Zeiten und viele Verhaltensänderungen werden sich wohl manifestieren und auch durch das Tempo der Digitalisierung weiter verändern. franchiseWISSEN. Disruptive neue Geschäftsmodelle entste- hen und bieten dabei neue Chancen auch durch Franchising multipliziert zu werden. Es ist darauf hinzuweisen, dass Franchising ein Vertriebsmodell von vielen ist, jedoch als besonders anspruchsvoll und komplex gilt. Zudem sind Franchisekonzepte in der Regel deutlich kostenintensiver in der Ent- wicklung und Erprobung und haben nicht zuletzt wegen rechtlich hoher Anforderun- gen längere Vorlaufzeiten als andere Ver- triebsmodelle. Franchisesysteme bilden standardisier- te Geschäftsmodelle ab, die von dritten Franchisepartnern an deren Standort oder jetzt gar im Internet erfolgreich nachvoll- ziehbar sein müssen. Dazu müssen solche Konzepte in allen Bestandteilen so abgebil- det werden, dass das für Franchisesysteme notwendige Know-how mit allen seinen Modulen effektiv anwendbar ist. Das ge- schieht vor allem durch die Abbildung von Prozessen der erfolgsnotwendigen Module eines Franchisekonzepts, was man in soge- nannten Franchisehandbüchern und Richt- linien für Franchisepartner online hinterlegt und durch Schulungen vermittelt. Früher wurde das haptisch in Printform und mit Exceltabellen gemacht, was heu- te im Zeitalter der digitalen Transformati- on als "old school" kaum noch akzeptabel sein kann. Allerdings ist auch festzustellen, dass der Hype um die Digitalisierung oft den Blick dafür verstellt, was denn eigent- lich damit gemeint sein soll . Das fängt schon damit an, dass es keine einheitliche Definition des Begriffs Digitalisierung gibt und jeder seine eigene Auslegungsoptio- nen subjektiv nutzt. Vielfach wird Digitali- sierung der Digitalisierung wegen als Ziel vorgegeben ohne sich vorher klar zu ma- chen, was denn das Ziel und der Nutzen für das Unternehmen und vor allem für dessen Kunden ist. Gerade bei Franchisesystemen mit selbstständigen Vertragspartnern auf beiden Seiten ist das hochriskant für einen Franchiseanbieter, der auch für mangel- hafte Digitalisierungsstrategien sowie für eventuelle disruptive Geschäftsmodelle natürlich haftet. Um überhaupt als Franchiseanbieter sein System in diesen Zeiten optimieren zu kön- nen, bedarf es erst einmal der digitalen Abbildung der gesamten Geschäftsprozes- se eines Franchisesystems, um überhaupt daraus die Optionen von Verbesserun- gen durch Digitalisierung oder auch neue Geschäftsmodelle erkennen zu können. Das bedeutet interaktives digitales Pro- zessmanagement für die Systemzentrale eines Franchisegebers und auch für den Franchisenehmer-Betrieb mit den dafür entwickelten Anforderungen erfolgreicher Systemumsetzung vor Ort. Gerade Franchisesysteme sind prädestiniert für Geschäftsprozessmanagement und dar- aus entwickelbare Digitalisierungsstrategi- en sowie für disruptive Geschäftsmodelle in Pandemie-Zeiten. Allerdings sind die An- fangsinvestitionen trotz zwischenzeitlich deutlich günstigeren Technologien nicht unerheblich, weshalb man bei neuen und kleineren Systemanbietern als Franchise- kandidat Risiken durch gezielte Fragen an die Anbieter minimieren muss. Das gilt auch grundsätzlich für die Frage, ob man sich überhaupt vertraglich einem Vertriebssys- tem anschließen soll im Zeitalter der digi- talen Transformation und der jetzt entstan- denen Veränderungen von Zielgruppen und Märkten. Foto: © Wright Studio/shutterstock.com

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