franchiseERFOLGE - Ausg. Juni-Aug. 2021

15 Der Vertrieb von Waren und Dienstleistun- gen wird mit der steigenden Vernetzung und den Folgen der Pandemie gerade neu definiert. Auch die Kunden von Franchise- systemen nutzen das Internet vermehrt mit allen verfügbaren Optionen und An- geboten. Kaum ein Produkt und kaum eine Dienstleistung, die nicht über das Netz angeboten wird. Dazu kommen in diesen Zeiten neue Geschäftsmodelle, die konven- tionelle Geschäftsmodelle und Angebote durch digitale Innovationen ablösen und/ oder stören und damit vom Markt verdrän- gen. Solche Modelle werden als disrupti- ve Geschäftsmodelle bezeichnet, welche wohl kaum eine Branche unberührt lassen werden. Vor allem geht es dabei um die Nutzung des Internets zur Bindung von Zielgruppen mit vielseitigen Modellen und Portalen, die besonders stationäre Ver- triebsmodelle bedrohen. Das in Pandemie-Zeiten verändertes Kun- den- und Marktverhalten mit den vielen neuen Apps und Portalen und Marktplatz- modellen, die sich zwischen Verkäufer und Käufer platzieren und teilweise nur von Vermittlungsgebühren und Provisio- nen leben, wie z. B. ebay, Airbnb etc. be- stimmt heute die Vertriebsmodelle. Auch Modelle der Sharing-Economy stören konventionelle Vertriebssysteme durch reine Vermietungsangebote zwischen Konsumer-Vertragspartnern. Besonders sind auch Warenhausmodelle wie z. B. Amazon zu nennen, die zwischenzeitlich fast alle Sortimente und Anbieter direkt bedrohen. Oder denkt man an das on- demand-Modell, welches versucht Zeit direkt zu monetarisieren durch den sofor- tigen Zugang eines Konsumenten zu einer verlangten Dienstleistung, die gebühren- pflichtig sofort vermittelt wird. Bestes Bei- spiel dafür ist der Transportdienstleister Uber, der kein einziges Fahrzeug selbst be- sitzt und keinen einzigen Fahrer angestellt hat. Rechtsanwalt Thomas Doeser: Studium der Rechts- und Wirt- schaftswissenschaften mit Schwerpunkten auf kooperativen Vertragsvertriebssystemen, Franchising, Licensing und inter- nationale Vertriebssysteme. Seit 1980 Partner einer international tätigen Unternehmensbe- ratung (BDU) mit Schwerpunkten in Nordamerika und Osteuro- pa mit der Spezialisierung auf die Konzeption und den Aufbau von Vertriebssystemen. 1980 Organisator des ersten Franchi- sekongresses in Deutschland sowie der ersten Franchisemes- se in Deutschland. Seit 1983 selbstständiger Rechtsanwalt in Tübingen Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der E.F.LAW, der European Franchise Lawyers Association EEIG. Spezialgebiet Franchise- und Lizenzrecht sowie Strategieent- wicklung und Beratung von Mandanten beim Auf- und Ausbau von Vertriebssystemen im In- und Ausland. Aktiv auch im operativen Bereich im Rahmen von Interimsmanagement und Treuhandmanagement. Projektarbeit in ganz Europa, Nordamerika sowie in Russland und in China. Seit 1980 zahlreiche Veröffentlichungen und Fachbuchbeiträge unter anderem zum Thema Franchising, Strategie und Management. Regelmäßige Kolumnen in bekannten Wirtschafts- zeitschriften sowie umfangreiche Vortragstätigkeiten im In- und Ausland auf Fachmessen, bei IHK's sowie unter anderem beim Deutschen Franchiseinstitut oder bei der ESB (European School of Business) in Reutlingen. Mitglied der E.F.LAW (Europäische Franchiseanwaltsver- einigung) Bis 2019 seit über 38 Jahren Mitglied im Rechtsausschuß des Deutschen Franchise- verbandes, Mitglied beim Deutschen Fachjournalistenverband, 2000 bis 2016 Vorstandsvor- sitzender der Beratergruppe Strategie (EKS) e.V. und eine Vielzahl weiterer Aktivitäten und Mitgliedschaften im In- und Ausland. Kontakt: Rechtsanwalt Thomas Doeser Robert Gradmann Weg 1 · 72076 Tübingen · Tel. 07071 600630 · Telefax 07071 600345 E-Mail: tdoeser@t-online.de · w ww.franchiseanwalt.de Foto: © Gerhard Blank Der Autor Um mit dem Beitritt zu einem Franchise- system nicht in eine Disruptionsfalle zu geraten, muss man heute Franchisesyste- me jetzt unter diesen Gesichtspunkten hin- terfragen und prüfen, ob der Franchisean- bieter sein Konzept auch gegen disruptive Geschäftsmodelle für die Dauer eines regel- mäßig längeren Franchisevertrages umset- zen kann. In Anbetracht der sogenannten Innovationspflicht eines Franchisegebers, also die Verpflichtung zur Entwicklung und Erhaltung von Wettbewerbsvorteilen ei- nes Franchisekonzepts für die Dauer eines Franchisevertrages, ist nicht auszuschließen, dass auch Franchisegeber proaktiv disrup- tive Geschäftsmodelle entwickeln können und vielleicht auch müssen, die dann auch ein Franchisesystem mit seinen Partnern wettbewerbsfähig halten. Wie bereits erwähnt bietet der Franchise- ansatz dafür ideale Voraussetzungen vor- behaltlich der Erledigung der digitalen Hausaufgaben eines Franchiseanbieters und deren Abbildung in von Franchisepart- nern umsetzbaren Geschäftsprozessen. Die Entscheidung bei der Auswahl eines geeig- neten Franchisesystems wird für Franchi- seinteressenten auf jeden Fall immer inten- sivere Vorbereitungen verlangen und im Zeitalter der digitalen Transformation und den Folgen der Pandemie völlig neue Fra- gen aufwerfen. Die ganze Franchisewirt- schaft ist erkennbar gefordert und hat die neuen Entwicklungen bereits aufgenom- men wie bei erfolgreichen Systemanbie- tern schon erkennbar. Es bleibt aber gerade in diesen Zeiten immer die Frage „make or buy“, also selbst etwas entwickeln oder sich in ein erkennbar erfolgreiches Franchisesys- tem einzukaufen. Jetzt unter www.franchise-erfolge.de kostenlos online lesen oder downloaden! Magazin für Gründer und Unternehmer

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