franchiseERFOLGE - Ausg. Juni-Aug. 2021

18 man eine ohnehin schon stark belastende Finanzierung stemmen muss, können die Verhandlungen zäh werden. Wichtig! Der Gang zu einer anderen Bank ist nicht zu Empfehlen, weil diese in der Re- gel in ein bestehendes Engagement nicht bzw. selten eintreten wird. Hier könnte man wertvolle Zeit verlieren, wenn man darauf setzt! Stellen Sie sich zuerst folgende Frage: Habe ich meine Bank in der (wenn auch kur- zen) Vergangenheit immer informiert, mit aktuellen BWAs und Kurzberichten? Sollte man dies versäumt haben, weil man in der Gründungsphase stark im operativen Ge- schäft eingebunden war, empfiehlt es sich, dies zeitnah nachholen. Setzen Sie sich also zuerst mit Ihrem Fran- chisegeber und/oder Berater zusammen. Erstellen Sie zusammen einen Maßnahme- plan mit Planzahlen und Verbesserungsvor- schlägen für die nächsten Monate. Erklären Sie der Bank mit Nachdruck, dass es nach der Pandemie weitergeht. Die Bank muss verstehen, dass es in diesem Fall nicht unbe- dingt unternehmerische Fehlentscheidun- gen waren, die eine negative Entwicklung hervorgebracht haben, sondern dass über- wiegend die Schließungen seitens der Re- gierung ihren Teil dazu beigetragen haben! Den Plan, zusammen mit der aktuellen BWA und der geplanten Geschäftsentwicklung, legen Sie dann Ihrer Bank vor. Am besten wäre es, wenn zu dem Bankge- spräch (oder Onlinetermin) der Franchisege- ber mitgehen würde. Das zeigt der Bank im ersten Schritt, dass der Franchisegeber hin- ter Ihnen steht. In dem Gespräch selbst ist es wichtig, der Bank zu signalisieren, dass alle Beteiligten hoch motiviert sind und an die Zukunft des Unternehmens glauben. Ganz wichtig! Die Bank erwartet auch, dass Sie als Gründer alles versucht haben, um noch andere Beteiligte nach Stundun- gen oder Ratenzahlungen zu fragen. Dazu zählen unter anderem der Vermieter, Franchisegeber, Leasinggeber, die Lieferan- ten und sonstige Beteiligte. Dies sollten Sie in jedem Fall vor dem Bank- gespräch klären. Das zeigt nämlich Ihr kaufmännisches Verständnis und Ihren Umgang mit schwierigen Situationen. All diese Punkte zusammengefasst können dann der Bank gegenüber positiv darge- stellt werden, und somit besteht die Mög- lichkeit einer Nachfinanzierung. Zielführend wäre hier, um schnell an Liquidität zu gelan- gen, der klassische Kontokorrentkredit, am besten unbefristet. In der Praxis gehen leider viele Franchise- nehmer einfach zur Bank und bitten um Hilfe, ohne die erwähnten Unterlagen zur Verfügung zu stellen. All das bewertet die Bank teilweise negativ. Deshalb ist es umso wichtiger, die oben beschriebenen Punkte einzuhalten. Franchisegeber sind auch aufgefordert, sich regelmäßig die Zahlen ihres Partners zeigen zu lassen und gerade in der Anfangsphase die Gespräche mit ihrem Franchisenehmer zu suchen. Das Thema Nachfinanzierung spielt leider in letzter Zeit (insbesondere wegen Coro- na) eine immer größere Rolle bei den Fran- chisenehmern. Bitte unterstützen Sie als Franchisegeber Ihre Franchisenehmer, in dem Sie von Anfang an die Gründer sensi- bilisieren, gegenüber der Bank immer transparent und auskunftsfreudig zu sein. Denn wenn die Bank immer gut informiert ist, dann kann sie in einer Krisensituation schnell helfen. Nachfinanzierung auch wegen Corona, aber nicht nur! Der Existenzgründer hat kurz vor der Pandemie den Finanz- und Businessplan für ein Franchisevor- haben für Banken aufgebaut, um die Investitionen und die erste Anlaufphase finanziell überbrücken zu können. Die ersten Monate sind vergangen und man stellt fest, dass die Umsätze (auch wegen des Lockdowns) nicht so eingetroffen sind wie geplant. franchiseWISSEN. Irgendwann stellt der Gründer fest, dass ihm bald das Geld ausgeht oder noch pro- blematischer, ihm das Geld bereits ausge- gangen ist. Er benötigt nun dringend eine Nachfinanzierung, um den Geschäftsbe- trieb aufrecht zu erhalten. Da es in solchen Fälle für Gründer teilweise keine öffentli- chen Hilfen gibt, sind sie darauf angewie- sen, entweder eine Unterstützung seitens des Franchisegebers zu erhalten oder von ihrer Bank. Jetzt steht der Gründer vor einer großen Herausforderung. Wo bekomme ich die liquiden Mittel (insbesondere, wenn die Corona Programme nicht greifen) her, um weiterzumachen? Das setzt voraus, dass er oder sie noch an das Geschäftsmodell glaubt. Somit bleibt dem Gründer eigent- lich nur der Weg zu Freunden, Verwandten, dem Franchisegeber oder der Bank. Banken reagieren in der Regel höchst unter- schiedlich (eher negativ) auf Nachfinanzie- rungen. Deshalb ist es umso wichtiger, gut vorbereitet auf die Bank zuzugehen. Das Prinzip der Nachfinanzierung ist sim- pel: Letztlich geht es darum, dass die Bank für das Vorhaben noch einmal Geld nach- schießt. In der Theorie hört sich dies leicht an, doch in der Praxis kann es schnell zu Schwierigkeiten kommen. Gerade wenn Stephan Neuschulten Geschäftsführer der Neuschulten Unternehmens- beratung GmbH, Wuppertal Der Autor Foto: © Anton Violin/shutterstock.com

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