franchiseERFOLGE - Ausg. Juni-Aug. 2021

21 © Muehle/Fotolia.com zu kondolieren, fielen mir einfach nicht die richtigen Worte ein. Was soll man Eltern bloß sagen? Du kannst nichts sagen, was auch nur ansatzweise helfen würde. Also gab ich Céli- nes Papa ein Versprechen. Ich versprach ihm, mich gegen Mobbing einzusetzen. An die- sem Tag auf dem Friedhof ist Be Nice durch ein tragisches Schicksal geboren. Veronika Bellone: Was ist das Besondere an Ihrem Konzept? Laura Bolli: Die 30-Tage-Intensiv-Beglei- tung ist sicher sehr besonders. Die ganze Familie wird engmaschig unterstützt und angeleitet. Die Coachings sind sehr humor- voll aufgebaut und machen den Kindern viel Spaß. Es geht ihnen schon schlecht ge- nug und wir möchten sie nicht zusätzlich in diesem Gefühl bestätigen, sondern wir möchten eine schnelle Verbesserung errei- chen. Dies geht nur, wenn die Kinder ger- ne ins Coaching kommen, sich wohlfühlen, mitmachen, mitarbeiten und motiviert sind. Mit Humor und positiven Gedanken, haben wir die beste Grundlage ein starkes Fun- dament aufzubauen. Zusätzlich finden die Coachings ausschliesslich online statt, was den Alltag der Familien vereinfacht und uns die Möglichkeit gibt, schweizweit und auch landesübergreifend zu arbeiten. In den letz- ten zwei Jahren haben wir bereits über 140 Kinder und Teenager begleitet, von denen heute 99 Prozent mobbingfrei sind. Mittler- weile kommen auch immer wieder Kinder- therapeuten auf uns zu, die uns die Kinder aus der Therapie, ins Coaching schicken, um sie zu stabilisieren. Veronika Bellone: Sie haben heute, ein Jahr nach Lizenzierung Ihres Konzeptes, bereits acht ausgebildete Lizenz-Coaches. Wie sind Sie auf Ihre Expansionsidee der Lizenz ge- kommen? Laura Bolli: Ich wurde mit Anfragen von Eltern überhäuft, so dass es mir nicht mehr möglich war, den Familien sofort Hilfe zu bieten. Das war aber immer mein Ziel. Mobbingopfer können nicht warten, son- dern brauchen sofort Hilfe. Dies kann ich mit meinen Coaches an meiner Seite garan- tieren. Die Lizenzierung schien mir daher perfekt, für mein Konzept und meine Idee. Veronika Bellone: W as setzen Sie bei Ihren Lizenzanwärter:innen voraus? Laura Bolli: Sie müssen dafür brennen, Kin- dern und Jugendlichen helfen zu wollen. Ihr ganzes Herzblut muss in Be Nice investiert werden und sie müssen mit mir zusammen eine Veränderung schaffen wollen. Es war- tet noch viel Arbeit auf uns und dafür muss man belastbar und bereit sein. Deswegen müssen sie bereit sein, sich selbst weiterzu- entwickeln. Das bedeutet in unserem spe- ziellen Fall, dass man sich stark mit seinem eigenen Leben beschäftigen muss, damit wir die Kinder so authentisch wie möglich unterstützen können. Du kannst Kindern nichts vormachen. Sie spüren alles! Darum ist die Arbeit an sich selbst ein zentraler Punkt in der Ausbildung. Veronika Bellone: Worin liegen die Vor- teile für Lizenzpartner:innen, wenn Sie sich Ihrem Konzept anschliessen? Laura Bolli: Be Nice ist einmalig in seiner Art und bietet jedem Lizenznehmer/je- der Lizenznehmerin kreative Freiheit. Sie profitieren von einer spitzen Ausbildung als Anti-Mobbing-Coach und sind nach diesen drei Monaten auf jegliche Mob- bingfälle vorbereitet. Wir arbeiten sehr eng als Team zusammen, unterstützen uns und leisten gegenseitig Psychohygiene. Man muss sich bewusst sein, dass man mit schlimmen Erlebnissen konfrontiert wird und deswegen ist es mir ein Anliegen, dass alle meine Coaches immer eine Ansprech- person haben. Veronika Bellone: Nebst dem Engagement für Ihre Lizenzpartner:innen setzen Sie sich generell stark für das Thema Antimobbing, im Sinne der Prävention und Intervention, ein. Wie laden Sie Ihre persönlichen Batte- rien immer wieder auf? Laura Bolli: Ganz ehrlich, ich habe einen Teenager und ein Kleinkind zuhause und bin abends manchmal sehr müde vom Tag. Am Abend warten dann meine Coachee Kinder auf mich, die Kamera geht an und in diesen paar Stunden, geben sie mir so viel zurück. Wenn die Coachings zu Ende sind, dann spüre ich eine innere Ruhe und Zufrieden- heit und bin dankbar dafür, dass ich diese Arbeit machen darf. Was könnte die eige- nen Batterien besser aufladen, als ein Kind zu begleiten und zusehen zu dürfen, wie es plötzlich wieder lächelt? Für mich ist es das, was mein Herz erwärmt. 1) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/118853/Mehr-Kinder-und-Jugendliche-von-Cybermobbing-betroffen Veronika Bellone: Welche Zielsetzungen haben Sie hinsichtlich des Wachstums Ihres Systems? Laura Bolli: Im Sommer 2021 starten elf weitere Lizenznehmer:innen mit Be Nice und die Expansion nach Deutschland ist in Planung. Wir werden die Ausbildung als Fernstudium anbieten. Es sind weitere Konzepte und Angebote in Planung, die sich nun auch an Kinder rich- ten, die kein Mobbing erleben, aber prä- ventiv gestärkt werden können. Wir wer- den zudem auch bald wieder auf Schulen zugehen, um das Problem an der Wurzel zu bekämpfen. Dann bieten wir nun auch Anti- Mobbing-Coachings für Erwachsene an, da die Nachfrage auch dahingehend immer weiter steigt. An Ideen und Möglichkeiten mangelt es uns definitiv nicht. Aber wir werden nicht auf- hören, so lange da draußen auch nur noch ein Kind ist, dass unsere Hilfe braucht! Veronika Bellone: Frau Bolli, ich wünsche Ihnen weiterhin ganz viel Erfolg und Erfül- lung mit Be Nice.

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