franchiseERFOLGE 2/2022

10 Nach wie vor sind die besten Lagen der Innenstädte und in Einkaufszentren sehr gesucht, welche regelmäßig vom Franchisegeber angemietet und dem Franchisenehmer untervermietet werden. Zum einen liegt es daran, dass Vermieter bevorzugt an bekannte Franchisemarken vermieten statt an unbekannte Franchisenehmer. Zum anderen haben Franchisegeber ein Interesse daran, Topstandorte auch nach Beendigung eines Franchisevertrages zu behalten und entweder selbst als Filiale oder durch neue Franchisenehmer weiter zu betreiben. In solchen Fällen sind Franchiseverträge und Untermietverträge auch regelmäßig verbunden mit der Folge, dass bei Beendigung eines der Verträge auch automatisch der andere verbundene Vertrag endet. Das kann unter anderem Fragen aufwerfen, wenn zum Beispiel solche Standorte kaum ohne hohe Maklerprovisionen angemietet werden können, und wie man solche Zusatzkosten dann auf Franchisegeber und Franchisenehmer verteilt, insbesondere bei Beendigung eines Vertrages und dessen Rücknahme bzw. Übernahme durch den Franchisegeber. Als Franchisekandidat für ein stationäres Einzelhandelskonzept ist man zwar zunächst selbst für die richtige Wahl eines Standortes zuständig und erhält von einem Franchisgeber erst einmal ein Anforderungsprofil für einen optimalen Systemstandort. Ein Franchisegeber hat natürlich anhand des Betreibens einer Vielzahl von Standorten einen Informationsvorsprung und weiss in der Regel sehr genau, ob ein Standort das notwendige Potenzial für den erfolgreichen Betrieb eines Franchisenehmers besitzt. Man sollte daher darauf achten, dass sich ein Franchisegeber vertraglich zur Leistung einer intensiven Standortanalyse verpflichtet und nicht nur zur Vorgabe eines Standortprofils, das ein Franchisenehmer bei der Wahl eines Standorts zu berücksichtigen hat. Bei einer vertraglichen Verpflichtung zur Leistung einer Standortanalyse durch den Franchisegeber haftet dieser auch für die Qualität einer solchen Analyse und damit auch für die Folgen, die aufgrund einer falschen Entscheidungsgrundlage dem Franchisenehmer entstehen können. Da der stationäre Einzelhandel heute mit nicht stationären Handelskonzepten im Internet in direktem Wettbewerb steht und diese virtuellen Handelskonzepte seit Jahren erhebliche Umsatzzuwächse verzeichnen, kommt man als Franchisekandidat heute nicht mehr um die Frage herum, wie der jeweilige Franchiseanbieter diese Entwicklung in seinem System angemessen berücksichtigt hat. So sollte man prüfen, wie ein Franchisesystem im Internet auftritt, und ob der Franchisegeber das Internet zum Direktvertrieb auch selbst nutzt. Findet man als Kunde die im jeweiligen Ladengeschäft eines Systems angebotenen Waren des Systems auch im Internet, und wenn ja zu welchen Konditionen? Welchen Einfluss hat ein solcher Direktvertrieb eines Franchisegebers dann auf die Preise eines Franchisenehmers? Wäre dieser dann faktisch an die Preise seines Franchisegebers gebunden, und kann er dann tatsächlich seine Preise noch selbst frei gestalten? In diesem Zusammenhang ist daher auch der „virtuelle“ Standort eines Franchisenehmers zu hinterfragen, zumal ein Franchisegeber einem Franchisenehmer einen solchen "Internetstandort" nicht grundsätzlich verbieten kann, was bedeutet, dass ein Franchisenehmer neben einem stationären Ladengeschäft auch über das Internet verkaufen darf mit eigenem Webshop. Allerdings kann der Franchisegeber, insbesondere wenn er Markenware vertreibt, diesen Internetvertrieb eines Partners vertraglich regeln und einschränken. So ist zum Beispiel aktives Marketing (z. B. E-Mail-Marketing etc.) in andere Vertragsgebiete auch über das Internet durchaus eingrenzbar ebenso wie der Markenauftritt im Netz. Moderne Franchisesysteme haben proaktiv solche Fragen entsprechend beantwortet Standorte bei Vertriebskonzepten und das Internet Stationäre Einzelhandelskonzepte und deren Umsatz und Rendite hängen vor allem vom Standort ab, weshalb bei derartigen Franchisekonzepten bis dato Standortsuche, Standortanalyse und Standortsicherung zu den wichtigsten Prüfpunkten für einen Einstieg in ein solches System gehören. franchiseWISSEN. Foto: © livertoon/shutterstock.com

RkJQdWJsaXNoZXIy MjUzMzQ=