franchiseERFOLGE Sept.-Nov. 2020

10 franchiseEXPERTEN. Einkommen und Vermögen – eine Positionsbestimmung Reichtum ist immer relativ und nur bedingt messbar. Jeder Vermögende ist verdächtig, sich auf Kosten der Allgemeinheit berei- chert zu haben und jeder Unternehmer ist ein Kapitalist, der sich skrupellos die Ta- schen vollstopft – so hören sich die Parolen linker Politik an. Um der Wahrheit etwas näher zu kommen, wie es hierzulande um Einkommen und Vermögen bestellt ist, gibt ein Blick in die Veröffentlichungen des Sta- tistischen Bundesamtes zumindest etwas Orientierung. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Vermögensmillionären und Einkommensmillionären. Danach verfügen etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung über ein Nettovermögen von mindestens einer Mil- lion Euro. Verbindlichkeiten, etwa durch Immobilienkredite oder andere finanzielle Verpflichtungen, sind dabei bereits heraus- gerechnet. Das Nettovermögen lag 2019 bei 233.000 Euro pro Haushalt. Es gibt aktuell über 630.000 Menschen, die ausschließ- lich von Erträgen aus eigenem Vermögen leben. Rund 25.000 Einkommensmillionäre sind selbstständig tätig, über die einzelnen Branchen gibt das Statistische Bundesamt leider keine Auskaunft. Weitere 16.000 Ein- kommensmillionäre freuen sich über die Erträge aus Vermietung und Verpachtung. Dass überdurchschnittliches Einkommen zu Vermögen führen kann, ist eine realis- tische Option und auch irgendwie logisch. Auch dazu gibt es diverse Statistiken, wann jemand aufgrund seines Einkommens als reich eingestuft wird. Dabei werden noch regionale Gegebenheiten berücksichtigt, das heißt wer in Sachsen-Anhalt ein Ein- kommen an der Grenze zum Reichwerden hat, findet sich in Bayern ziemlich weit hin- ten wieder. Die individuelle Lebenswirklich- keit des Einzelnen – und nur um die geht es letztlich - führt wiederum zu völlig anderen Ergebnissen. Mit anderen Worten: auch wer als Spitzenverdiener oder Einkommensmil- lionär stets mehr ausgibt als er einnimmt, wird es nicht zum Vermögensmillionär schaffen und endet im Zweifel als D-Promi im Dschungel oder in einem Container. Selbstständigkeit und der Mythos vom hohen Einkommen Eine Antwort, wo das durchschnittliche Ein- kommen von Selbstständigen liegt, können ansatzweise zum Beispiel die Studien des Instituts für Mittelstandsforschung geben. Wer sich selbstständig machen und eine Firma gründen will, hat demnach besse- re Chancen auf ein höheres Einkommen als im klassischen Angestelltenverhältnis. Allgemein gültig ist, dass es eine enorme Bandbreite bei den Einkommen gibt. Ein Blick auf die einzelnen Geschäftsfelder kann etwas aussagekräftigere Ergebnisse liefern, wobei regionale Faktoren zusätz- lich eine Rolle spielen. Qualifizierte Frei- berufler mit Hochschulabschluss zählen zu den bestverdienenden Selbstständigen. Im Dienstleistungbereich lassen sich je nach Geschäftskonzept solide mittlere Einkom- men erwirtschaften. Konkurrenz und Preis- druck gehören zu den Rahmenbedingungen, die es im Einzelhandel und in der Gastro- nomie erschweren, hohe Gewinne zu rea- lisieren. Ein unvorhersehbares Ereignis wie die Corona-Pandemie hat diese Branchen zusätzlich entsprechend brutal getroffen. Interessant ist auch, dass Selbstständige ohne Mitarbeiter pro Stunde nur wenig mehr verdienen als Angestellte, Selbst- ständige mit Mitarbeitern wiederum einen deutlich höheren Stundenlohn realisieren. Da Selbstständige aber in der Regel län- gere Arbeitszeiten haben als Angestellte, sind diese statistischen Erhebungen nur Mittelwerte. Die Unterschiede in einzelnen Branchen können deutlich positiver oder auch negativer ausfallen. Die Realität zeigt, dass die Selbstständigkeit auf keinen Fall automatisch mit einem hohen Verdienst einhergeht. Die tatsächliche Aussagekraft von Durchschnittswerten ist also immer mit äußerster Vorsicht zu betrachten. Ein Kann ich als Selbstständiger reich werden? Natürlich kann ich auf den Jackpot im Lotto hoffen, um reich zu werden oder auf die Nachricht aus Amerika, dass ein bis dato unbekannter Verwandter mir ein Millionenvermögen vererbt hat – beides ist leider ziemlich unwahrscheinlich. Weil die Vorstellung von Reichtum größtenteils subjektiv empfunden wird, gibt es auch keinen allgemein gültigen Wert für diesen Status und für viele Menschen sind immer diejenigen reich, die mehr haben als man selbst. Kann ich mir als Selbst- ständiger oder als Franchisenehmer die eigene Arbeit vergolden? Foto: © Syda Productions/shutterstock.com

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