franchiseERFOLGE Sept.-Nov. 2020

14 Schwarze Schafe unter den Franchisege- bern sind inzwischen selten geworden. Sie sind fast ausgestorben, weil das Internet den Erfolg oder den Misserfolg so transpa- rent macht, dass sich erfolglose Franchise- konzepte, die Existenzgründer schädigen, nicht ewig am Markt halten können. Das ist ein Vorteil für die seriösen Franchisegeber, die in der Vergangenheit ebenfalls unter den schwarzen Schafen leiden mussten. Das Verschwinden der schwarzen Schafe ist im gemeinsamen Interesse aller seriösen Marktteilnehmer. Was bedeuten die Worte „seriös“ und „unseriös“ bei Franchiseangeboten? Bevor wir uns dem Thema widmen, wie Sie die schwarzen Schafe erkennen können, gilt es, mit einem Missverständnis aufzu- räumen: Auch eine Selbstständigkeit mit- tels Franchising ist keine Garantie für Erfolg. „Wer eine Garantie haben möchte, soll einen Toaster kaufen“ hat Clint Eastwood mal ge- sagt. Besser kann man das nicht formulie- ren. Unternehmerische Selbstständigkeit ist stets mit Risiken behaftet, denen Chancen gegenüberstehen. Das war schon immer so und das wird immer so sein. Die Prinzipien des Kapitalismus lassen sich auch mit Fran- chising nicht überlisten. Wer sich selbst- ständig macht, geht das Risiko ein, Verlus- te zu machen und womöglich sogar einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals zu erleiden. Dafür hat er oder sie die Chance, perspektivisch deutlich mehr zu verdienen als die meisten Arbeitnehmer und zugleich einen dauerhaften Vermögenswert aufzu- bauen. Dass Franchising keine Erfolgsga- rantie ist, liegt auf der Hand: Wenn es ein Unternehmenskonzept gäbe, das mit hun- dertprozentiger Sicherheit immer Gewinn abwirft, würde es jeder anwenden. Dann müsste man sich übrigens auch fragen, wa- rum die Franchisegeber nicht ausschließ- lich eigene Filialen betreiben: Wer weiß, wie man garantiert Erfolg hat, wird diese Superformel gewiss keinen anderen Unter- nehmern überlassen. Vor diesem Hintergrund bedeutet der Be- griff „seriös“ nicht, dass es in den vielen se- riösen Franchisesystemen nicht auch Fran- chisenehmer gibt, die scheitern. „Seriös“ bedeutet, dass das zugrunde liegende Un- ternehmenskonzept im Verhältnis zu dem eingesetzten Kapital typischerweise dafür geeignet ist, einen Unternehmerlohn zu erwirtschaften und Gewinn zu machen, die richtige Anwendung vorausgesetzt. „Unse- riöse“ Franchiseangebote sind das Gegen- teil: Typischerweise funktionieren sie für die beteiligten Franchisenehmer nicht und den Franchisegebern ist das bewusst. Bei alle- dem gilt allerdings: Erfolg und Misserfolg haben immer auch individuelle Ursachen, die nicht dem Franchisegeber anzulasten sind: Unbegabte Unternehmer werden auch in Franchisesystemen nicht plötzlich zu Genies. Unseriös: Erfolgsgarantie Daraus leitet sich bereits das erste Indiz für unseriöse Franchiseangebote ab: Wenn der Franchisegeber sinngemäß von „garan- tiertem Erfolg“ spricht, lassen Sie bitte die Finger davon. Ernsthaft. Da gibt es nichts zu überlegen. Finger weg! In diese Kate- gorie gehören auch Behauptungen, die sinngemäß darauf hinauslaufen sollen, dass „sämtliche Franchisenehmer reich geworden sind“ oder „kein Franchisenehmer damit je- mals gescheitert ist“. Letzteres kann zwar ausnahmsweise durchaus einmal stimmen, zumindest für einige Zeit, aber es ist mehr als unseriös, damit zu werben. Wer versucht, Sie mit einem platten Reichtumsverspre- chen oder Heilsversprechen anzulocken, handelt unverantwortlich. Unseriös: verkäuferisches Auftreten Wenn Sie sich einmal in die Gesellschafter und das Management eines Franchisege- bers hineinversetzen, erkennen Sie ein Dilemma: Das Geschäftsmodell des Fran- chisegebers ist auf Expansion angewiesen. Der zugrundeliegende Unternehmensplan geht notwendigerweise von einem be- stimmten Wachstum aus. Im Rahmen der Unternehmensplanung wird unterstellt, dass man in „X Jahren auf Y Standorte“ an- wachsen wird, damit den Gesellschaftern eine bestimmte Kapitalverzinsung gebo- ten werden kann. Wie so häufig, wenn Unternehmen geplant werden, sind die Ambitionen groß und erweisen sich im Nachhinein als verfehlt. In vielen Fällen macht das Management eines Franchise- gebers daher den Gesellschaftern verse- hentlich „ein X vor dem U vor“. Denn jede Expansion mittels Franchising setzt voraus, dass man in entsprechender Anzahl Fran- chisenehmer findet, die qualifiziert sind, genügend Eigenkapital haben und dann auch noch eine Fremdkapitalfinanzierung erhalten. Es muss tatsächlich einiges zu- sammenkommen, damit das funktionieren kann. Wenn sich dann später herausstellt, dass die Wachstumsprognose unerreich- Finger weg! Wie Sie unseriöse Franchiseangebote erkennen Wer, wie die Autoren dieser Zeitschrift, die Franchisewirtschaft mehrere Jahrzehnte begleiten durfte, konnte beobachten, wie ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit geschwankt hat: Manchmal wurde sie von den Medien als „Abzocke“ geschmäht und dann wieder als „Jobmotor des Mittelstandes“ in den Himmel gehoben. Wie kann das sein? Während die vielen guten Franchisegeber eine Chance auf unternehmerische Selbstständigkeit mit deutlich verringertem Risiko bieten können, gibt es in der Franchisewirtschaft, wie überall im Leben, auch ein paar schwarze Schafe. Hier lesen Sie, wie Sie den Unterschied erkennen. franchiseWISSEN. Dr. Patrick Giesler ist einer der führenden Franchiserechts- anwälte. Sein Team ist heute exklusiv und ausschließlich für die Seite der Franchisegeber tätig. Die Kanzlei berät bei Systemaufbau, Systemoptimierung, Franchiseverträgen und Handbüchern. Herr Dr. Giesler hat in den letzten 15 Jahren an dem Aufbau von über 80 Systemen mitgewirkt. Er ist Autor und Heraus- geber von mehreren Fachbüchern über Franchising (zum Beispiel das in der zweiten Auflage erscheinende Werk „Franchiserecht“ im Luchterhand-Verlag) und schreibt re- gelmäßig für die Zeitschrift franchiseERFOLGE. Herr Dr. Giesler ist Vorstandsvorsitzender der „Internatio- nal Franchise Lawyers Association“ (IFLA), einem weltwei- ten Netzwerk von Spezialanwälten für Franchising (www.franchiselawyers.de) Kontakt: BUSSE & MIESSEN Rechtsanwälte Partnerschaft Telefon (0228) 98391-26, E-Mail: kanzlei@busse-miessen.de Der Autor

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