franchiseERFOLGE Sept.-Nov. 2020

Wesensart – immer ungewiss. Gleichwohl muss jede Unternehmensplanung nach Kräften darum bemüht sein, auf einer mög- lichst breiten Tatsachengrundlage zu fußen. Beim Franchising scheint die Lösung auf der Hand zu liegen: Was wäre einfacher, als die Umsatz-, Kosten- und Ertragsentwicklung einiger vorhandener Systembetriebe zu betrachten und diese Werte in die eigene Unternehmensplanung einfließen zu lassen? Selbstverständlich dürfen die Zahlen vor- handener Systembetriebe nicht ungefragt übernommen werden. Es kommt auf die Vergleichbarkeit an: Standort, Größe, Um- feld, Einzugsbereich, Kaufkraft, unterneh- merisches Geschick, individuelle unterneh- merische Entscheidungen (z.B. Investition in Local Store Marketing) und womöglich auch individuelle Fehler der einzelnen Be- treiber können zur weitgehenden Unver- gleichbarkeit von zwei Systembetrieben führen. Gleichwohl wird es doch irgendwo in dem Franchisesystem ein paar System- betriebe geben, aus denen sich sinnvolle Erkenntnisse für die Planung neuer System- betriebe gewinnen lassen. Unseriös ist es deshalb, wenn Ihnen der Franchisegeber den Zugang zu diesen In- formationen verweigert. Bitte lassen Sie sich nicht von vorgeschobenen Argumen- ten wie „diese Zahlen kennen wir gar nicht“ oder „der Datenschutz verbietet das“ täu- schen. Das Argument des Datenschutzes ist beliebt geworden, weil es so glaubhaft wirkt: Jeder weiß, dass die DSGVO zu irr- sinnigen Ergebnissen führt, die vermutlich selbst in Brüssel niemand beabsichtigt hat- te. Es handelt sich um ein Scheinargument. Denn hier geht es nicht um Datenschutz: Man kann Ihnen selbstverständlich die Umsatz-, Kosten- und Ertragsentwicklung einiger vorhandener Systembetriebe zur Verfügung stellen, ohne personenbezoge- ne Daten offen zu legen. Notfalls mögen diese Zahlen anonymisiert werden. Nein, wer Ihnen diese Informationen nicht geben möchte, hat etwas zu verbergen. Womög- lich gibt es nicht genügend Systembetriebe, die tatsächlich den angepriesenen Erfolg haben? Wenn Ihnen die notwendigen In- formationen nicht gegeben werden, gilt: Finger weg! Unseriös: Jeder kann Franchisenehmer werden Das Groucho-Marx-Paradoxon "Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mit- glied aufnimmt" ist nicht nur ein genialer Gag des bekannten US-Komikers, sondern kann Ihnen indirekt als eine Richtschnur für Ihre Systemauswahl dienen. Natürlich soll- ten Sie daraus nicht die Schlussfolgerung ziehen, niemals Franchisenehmer werden zu können. Sie sollten stattdessen – und nur darum geht es – kritisch im Blick behal- ten, ob sich der Franchisegeber überhaupt dafür interessiert, wer Sie sind, welche Persönlichkeit Sie haben und welche Fä- higkeiten Sie in die Franchisepartnerschaft mitbringen. Denn wenn Ihre charakterli- che Beschaffenheit für die Mitarbeiter des Franchisegebers erkennbar nicht von Inte- resse ist, wird der Franchisegeber vermut- lich auch nicht daran interessiert gewesen sein, wer die anderen Franchisenehmer sind. Das kann in der Summe zum Spreng- stoff für alle Beteiligten werden. Denn bei aller Bedeutung des Franchisekonzepts für den Erfolg eines Franchisesystems kommt es maßgeblich auch auf die unternehmeri- schen Fähigkeiten der Franchisenehmer an. Das Zusammenwirken vieler ungeeigneter Personen kann die Marke so schwerwie- gend schädigen, dass auch die guten Fran- chisenehmer in Mitleidenschaft gezogen werden. Als Beispiel für dieses Problem kann der Fall eines einzelnen, geradezu kriminell agierenden „Burger King“ Groß- Franchisenehmers dienen, der im Jahr 2015 beinahe auch die anderen Franchisenehmer ruiniert hätte. Sie sollten daher bei Ihrer Systemauswahl das bekannte Groucho- Marx-Zitat wie folgt abwandeln: „Ich mag keinem Club angehören, der mich ohne intensive Prüfung als Mitglied aufnimmt". Wenn Sie den Eindruck gewinnen, dass in einem Franchisesystem praktisch jeder Franchisenehmer-Bewerber akzeptiert wird, der nur seinen Namen buchstabieren kann, gilt: Finger weg! y Erfolg mit Rezept Werden Sie jetzt Franchise-Partner 40 x in Deutschland Podcast-Interview mit André U mann Infos zu dem Pizza-Erfolgskonzept aus Hamburg unter mundfein.de/franchise

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