franchiseERFOLGE Sept.-Nov. 2020

18 Rechtsanwalt Thomas Doeser: Studium der Rechts- und Wirt- schaftswissenschaften mit Schwerpunkten auf kooperativen Vertragsvertriebssystemen, Franchising, Licensing und inter- nationale Vertriebssysteme. Seit 1980 Partner einer international tätigen Unternehmensbe- ratung (BDU) mit Schwerpunkten in Nordamerika und Osteuro- pa mit der Spezialisierung auf die Konzeption und den Aufbau von Vertriebssystemen. 1980 Organisator des ersten Franchi- sekongresses in Deutschland sowie der ersten Franchisemes- se in Deutschland. Seit 1983 selbstständiger Rechtsanwalt in Tübingen Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der E.F.LAW, der European Franchise Lawyers Association EEIG. Spezialgebiet Franchise- und Lizenzrecht sowie Strategieent- wicklung und Beratung von Mandanten beim Auf- und Ausbau von Vertriebssystemen im In- und Ausland. Aktiv auch im operativen Bereich im Rahmen von Interimsmanagement und Treuhandmanagement. Projektarbeit in ganz Europa, Nordamerika sowie in Russland und in China. Seit 1980 zahlreiche Veröffentlichungen und Fachbuchbeiträge unter anderem zum Thema Franchising, Strategie und Management. Regelmäßige Kolumnen in bekannten Wirtschafts- zeitschriften sowie umfangreiche Vortragstätigkeiten im In- und Ausland auf Fachmessen, bei IHK's sowie unter anderem beim Deutschen Franchiseinstitut oder bei der ESB (European School of Business) in Reutlingen. Mitglied der E.F.LAW (Europäische Franchiseanwaltsver- einigung) Bis 2019 seit über 38 Jahren Mitglied im Rechtsausschuß des Deutschen Franchise- verbandes, Mitglied beim Deutschen Fachjournalistenverband, 2000 bis 2016 Vorstandsvor- sitzender der Beratergruppe Strategie (EKS) e.V. und eine Vielzahl weiterer Aktivitäten und Mitgliedschaften im In- und Ausland. Kontakt: Rechtsanwalt Thomas Doeser Robert Gradmann Weg 1 · 72076 Tübingen · Tel. 07071 600630 · Telefax 07071 600345 E-Mail: tdoeser@t-online.de · www.franchiseanwalt.de Foto: © Gerhard Blank Der Autor Diese schon länger zu beobachtende Ent- wicklung scheint in der aktuellen Situati- on deutlichen Veränderungen ausgesetzt. Bisher konnten nicht systemgebundene Handelsgeschäfte in den Toplagen kaum noch Standorte finden, auch weil die Ver- mieter und Betreiber von Einkaufszentren bevorzugt die starken Marken und die er- folgreichen Franchisegeber als Hauptmieter wünschten. Daher war es nicht ungewöhn- lich, dass die Topstandorte nur an Franchi- segeber vermietet wurden, der diese dann an seine Franchisenehmer untervermietet hat. Jetzt sieht man aufgrund der Corona-Krise und damit verbundener Lock-Downs ganz erhebliche Turbulenzen beim Handel und bei der Gastronomie und auch der Hotelle- rie. Viele der teuren Standorte in sogenann- ten Toplagen werden zur Kostenfalle für Ge- werbestandortmieter. Auch Filialketten und Konzerne sind massiv betroffen von den Auswirkungen der Krise. Dazu kommt ein deutlicher Einbruch des Konsumverhaltens der Verbraucher, das trotz der Stimulatio- nen durch Politik und Wirtschaft nur schwer und langsam auf Vorkrisenniveau entwi- ckelt werden kann. Und es ist davon auszu- gehen, dass die Corona-Krise zeitlich nicht einschätzbar und planbar ist und deren wirtschaftliche Folgen noch wesentlich gra- vierender sein werden als von Optimisten heute interpretiert wird. Die hohen Mieten für Toplagen in den Städten brechen aktuell massiv ein und sind bei Neuvermietungen kaum noch durchzusetzen. Selbst teilweiser Mieterlass und Zugeständnisse von Vermie- tern teurer Standorte können kaum noch Standortschließungen verhindern. Städte und Kommunen fürchten bereits Folgen für ihre Innenstädte und prüfen neue Stand- ortkonzepte. Man denkt zum Beispiel we- gen der hohen Zahl von Schließungen von Kaufhäusern und Filialen in Innenstädten an eine kleinteiligere Mieterstruktur wie früher zur Schaffung einer neuen Attraktivität für Kunden und Besucher und zur Belebung der Innenstädte. Das kann jetzt auch eine Chan- ce für Gründer und Franchisesysteme sein. Wenn man sich heute in der Krisensitua- tion für ein Franchisesystem interessiert, Aktuelle Standortfragen bei stationären Franchisesystemen in Krisenzeiten Es gibt eine Vielzahl von Franchisesystemen im Handel und in der Gastronomie, zu deren Erfolgs- elementen ein richtiger und vor allem wirtschaftlich nachhaltiger Standort mit entsprechend hoher Kundenfrequenz gehört. Wer heute in den besten Lagen der Innenstädte und in Einkaufszentren unterwegs ist, wird neben den großen Filialketten ein Franchisesystem neben dem anderen finden und kaum noch „normale“ Einzelhändler oder nicht systemgebundene Anbieter. franchiseWISSEN. dessen Erfolgsaussichten unter anderem von der Wahl des richtigen Standorts des Franchisebetriebes abhängt, sollte man zunächst davon ausgehen, dass die Stand- ortwahl Sache des potenziellen Franchi- senehmers ist. Der Franchisegeber wird in der Regel ein Anforderungsprofil eines Idealstandortes für die Ausübung seiner Franchiselizenz vorlegen und dem Fran- chisenehmer die Grundanforderungen mitteilen. Der Franchisegeber weiß aus ei- ner Vielzahl von Franchisebetrieben an vie- len Standorten in der Regel, worauf es für sein Franchisekonzept vor allem ankommt. Dazu zählt auch die Erfahrung eines Fran- chisegebers mit der aktuellen Krise und den daraus resultierenden Folgen für seine Franchisenehmer. Wie hat ein Franchisege- ber reagiert mit welchen Folgen für seine Franchisenehmer? Welche Maßnahmen haben zu welchen Erfolgen geführt und wie agil hat das Franchisesystem auf die aktuellen Brüche seines Geschäftsmodells reagiert? Das sind heute die Fragen eines potenziellen Franchisegründers. Viele Franchisegeber helfen bei der Standortsuche und unterstützen den Franchisekandidaten. Auch wenn man un- ter Umständen schon einen Standort hat, vielleicht aus einer vorherigen unterneh- merischen Tätigkeit, sollte man auf jeden Fall eine professionelle Standortanalyse bei dem Franchisegeber abfragen. Dazu gehören Erhebungen zur geographi- schen Lage des Standortes, der Lauflage, Kaufkraftdaten, konkrete Objektdaten (Flächen, Lager, Anschlüsse, Zufahrten, Parkplätze etc.), Kosten und Nebenkos- ten, Werbemöglichkeiten, Erweiterungs- möglichkeiten etc. Der Krisenplan aus der aktuellen Crorona-Krise ist dabei beson- ders zu hinterfragen, da nach Corona vor Corona sein dürfte. Zu einer professionellen Standortanalyse gehört auch eine Wettbewerbsanalyse, also wie viele Mitbewerber es (noch) gibt, welche Stellung diese haben und wo sich das Franchisekonzept an diesem Standort positionieren will (mit welchem Wettbe-

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