franchiseERFOLGE - Nov.22 bis Feb.23

No 104 21. Jahrgang Nov. 2022–Feb. 2023 Deutschland 3,90 € Österreich 4,50 € Ausgabe unter www.franchise-erfolge.de kostenlos downloaden! 20 Jahre

Veranstalter: www.franchise-expo.com Hauptpartner: www.franchise-expo.com und viele mehr! 10.–12. NOVEMBER 2022 FRANKFURT 22 Meine Berufung, mein Leben! Unter den Ausstellern dabei:

3 liebe Leserin, lieber Leser! Fast kommt es mir vor als wäre es gestern gewesen, als wir die erste Ausgabe von franchiseERFOLGE im Herbst 2003 auf der Start-Messe in Essen verteilten. Sage und schreibe 10.000 Exemplare fanden allein dort ihre Interessent*innen. Fast surreal klingt dies, wenn man heute die Besucherzahlen vergleichbarer Zielgruppenevents zum Maßstab nimmt – da ist man schon zufrieden, wenn ein Fünftel dessen an Besuchern kommt. Viele interessante Franchisesysteme haben wir vorgestellt, erfolgreiche Franchiseunternehmer*innen unseren Leser*innen in diesem Magazin präsentiert. Aber auch die Erkenntnis, dass (fast) alles franchisierbar ist, hat sich über die Jahre bestätigt: von Tierbestattungen über Bubble Tea und Druckerpatronen-Refillern bis sogar zu Wünschelrutengängern. Was ist uns nicht alles an Ideen und Konzepten schon begegnet, die sich über Franchise multiplizieren wollten und teilweise dann nach kurzer Zeit auf nimmer Wiedersehen verschwanden. Eine bunte Vielfalt zeichnet die Franchisewirtschaft eben aus, viele tolle Konzepte, aber zuweilen auch wirklich Schrott. Wie sagte mir schon 2003 ein alter Hase der Branche: „Er könne ein Buch schreiben über all die Geschäftemacher und Blender, die er hier schon hat kommen und gehen sehen“. Kein Wunder, warum die Schlagzeilen in den branchenfremden Medien nicht immer positiv sind. Das ist aber nur die eine Seite der „Franchise-Medaille“. Die andere, die positive Seite, der ich damals auch den Namen meines Magazins widmete, das sind die beeindruckenden Erfolge von Franchiseunternehmen, die eine wichtige Rolle in unserer Volkswirtschaft spielen, insbesondere im Mittelstand, dem Rückgrat unseres Wohlstands. Da finden sich Namen, die eine jede und ein jeder kennt, selbst wenn sie oder er von Franchise noch nie etwas gehört hat. Darüber zu berichten war uns eine Ehre, und es hat viel Freude bereitet, solche Franchiseerfolge und deren Macher*innen in den 104 Ausgaben des Magazins präsentieren zu können. Und wir haben dies mit viel Herzblut sehr gerne getan. Ein großes Dankeschön daher an dieser Stelle an meine Autor*innen und Mitstreiter*innen, die franchiseERFOLGE teilweise seit fast zwei Jahrzehnten die Treue gehalten und wunderbare Beiträge verfasst haben. Doch so wie auf dem Titelbild, das meine beiden Töchter für mich im letzten Urlaub machten, die Brandung die „20“ wegspült, so hat alles seine Zeit und ist vergänglich. Auch das Magazin franchise- ERFOLGE wird es nach zwanzig spannenden Jahren nun künftig nicht mehr in der gewohnten Weise als regelmäßig erscheinende Zeitschrift geben, Ihnen aber vielleicht nach einer kreativen Pause in anderer Form wieder begegnen. Der aktuell krisenbedingte Einbruch ganzer Anzeigenmärkte, die immens gestiegenen Papierpreise, um nur zwei der Gründe zu nennen, erfordern dies leider. Denn wenn es wirtschaftlich nicht mehr wirklich Sinn macht, dann sollte man auch die Produktion eines geliebten Magazins überdenken. Auch solche Entscheidungen gehören zum Unternehmer sein dazu. Ich wünsche Ihnen, liebe Leser*innen, das Glück der Tüchtigen und bei all Ihren Vorhaben viel Erfolg! Ihr Martin Schäfer Verleger Wie schnell doch 20 Jahre vergehen, Foto: © Christian Höhler franchiseEDITORIAL. Impressum Herausgeber/Chefredakteur: Martin Schäfer (V.i.S.d.P.) Verlag: UNTERNEHMERVERLAG Gemäß § 9 Abs. 4 des Landesmediengesetzes für Rheinland-Pfalz wird darauf hingewiesen, dass Inhaber des Verlages Martin Schäfer ist. Im Wingert 13, D-53424 Remagen Tel. +49 2228 912912-0 Fax +49 2228 912912-10 info@unternehmerverlag.de www.unternehmerverlag.de Anzeigenleitung: Martin Schäfer anzeigen@unternehmerverlag.de Titelbild: © Lena und Johanna Schäfer Fotosatz: Grafik-/Webdesign Bauer info@wir.machen.design https://wir.machen.design Druck: ColorDruck Solutions GmbH Gutenbergstraße 4, D-69181 Leimen Erscheinungsweise: vierteljährlich Nachdruck: Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fällt insbesondere die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM. © UNTERNEHMERVERLAG Fremdbeiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider. Die Beiträge wurden sorgfältig recherchiert. Eine Haftung ist dennoch ausgeschlossen – auch für telefonische Auskünfte. Für unverlangt eingeschickte Manuskripte, Fotos und Illustrationen keine Gewähr.

Foto: © TippaPatt/shutterstock.com 4 franchiseEDITORIAL. 3 Wie schnell doch 20 Jahre vergehen franchiseINHALT. Steuertipp Keine Hinzuschätzung bei unklarer Mittelherkunft 8 franchiseWISSEN. 10 Sind Digitalisierung und Innovation seitens der Banken finanzierbar? Gibt es dafür Fördermittel? franchiseEXPERTEN. 12 Leasing als Finanzierungsalternative franchiseRECHT. 14 Der Franchisenehmer zwischen vertraglicher Bindung und unternehmerischer Freiheit franchiseSCHWEIZ. 16 Im Gespräch mit Peter Blassnigg, Home Instead Schweiz AG franchiseWISSEN. 18 Urheberrechte von Franchisenehmern – Schutz von Geschäftskonzepten Impressum 3 franchiseWISSEN. Franchisekonzepte in aktuellen Krisenzeiten 6 franchiseWISSEN. 6 Franchisekonzepte in aktuellen Krisenzeiten Foto: © Home Instead Schweiz AG Wir sind Markenbotschafter Düsseldorf Das stimmt auf jeden Fall, und zwar nicht nur dann, wenn man Schokolade isst, sondern wenn man seine Arbeit und Leidenschaft mit Schokolade verbindet! Seit Herbst 2019 sind wir ein Teil des LEONIDAS-Teams und sind sehr glücklich darüber! Wir haben den ersten LEONIDAS Chocolate & Café in Düsseldorf eröffnet und bringen somit die echte und feinste traditionelle belgische Schokolade in die Hauptstadt des Landes NRW rein! Die Zusammenarbeit mit “LEONIDAS“ ist nicht nur ein Geschäft oder eine Partnerschaft. Sie erinnert uns mehr an die familiären Begegnungen guter alter Lebensfreude. Unsere Entscheidung eine LEONIDAS-Boutique in Düsseldorf zu eröffnen, bereuen wir bis heute nicht, im Gegenteil! Einen besseren Franchisepartner mit ausführlicher Unterstützung und vorallem enger Begleitung vom gesamten LEONIDAS-Team, kann man nicht finden. Es ist immer Verlass. Wir sind glücklich ein Teil der LEONIDAS-Familie sein zu dürfen. „Schokolade macht glücklich !“ German Vladimirsky und Samanta Ginesina Sie sind interessiert? Dann fordern sie noch heute unverbindlich weitere Informationen zu Leonidas Confiserie-Konzept an: Olga Mathius – Sales Manager Deutschland E-mail: oma@leonidas.be Mobil: +32 47247 46 09 www.leonidas.com LE_199_117x133_Testimonial_Dusseldorf_DE_01.indd 1 04/02/2021 10:07 Foto: © Deemerwha studio/shutterstock.com

Willkommen beim BFW Die neu gegründete Bundesvereinigung der Franchisewirtschaft ist die Gemeinschaft aller am Franchising interessierten Unternehmen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien. Unter dem Dach des BDS – Bund der Selbständigen, der seit 1874 die Heimat des Mittelstandes ist – findet nun auch die Franchisewirtschaft ihr eigenes Erfolgsnetzwerk – die Bundesvereinigung der Franchisewirtschaft. Sie haben Interesse an starken Geschäftspartnern, Kooperationen, Entwicklung/Erweiterung Ihres Geschäftes und/oder Ihres Geschäftsmodells? Sie planen Unternehmensgründung oder wollen expandieren? Sie suchen regional, national oder international nach neuen Standorten, Austausch, Know-how, Innovation und Zusammenarbeit? Als BFWMitglied profitieren Sie von ● dem direkten Kontakt zu den Mitgliedern der Region ● dem Bündeln gemeinsamer Interessen ● kostenfreier allgemeiner juristischer Beratung ● gemeinsamen regionalen und nationalen Veranstaltungen ● der Initiative zur betriebsübergreifenden Weiterbildung von Mitarbeitern Lernen Sie die Bundesvereinigung der Franchisewirtschaft JETZT kennen Mitglied werden Information und Mitgliedsantrag unter bfw-franchise.eu Jahresbeitrag für Mitgliedschaft nur Euro 190.–

6 Neben der schon hoch belastenden Pandemie und vor allem den noch nicht damit verarbeiteten Folgen, ist die Energiekostenexplosion verbunden mit einer drastischen Inflation überall massiv spürbar. Alle Zielgruppen und Kunden von Franchisesystemen müssen teilweise drastisch ihr Einkaufsverhalten und ihren Konsum der Situation anpassen mit direkten Folgen für fast alle Franchisesysteme, deren Kosten und Aufwand überdurchschnittlich steigen bei fallenden Umsätzen. Mit einfachen Preiserhöhungen und Weitergabe aller Kosten an die Kunden und Verbraucher kann diese Entwicklung nicht gebremst werden. Jetzt muss sich zeigen, welche Franchiseanbieter über ein solides Prozessmanagement verfügen und welche Anbieter ihre „Hausaufgaben“ gemacht haben. Hier kann sich die Stärke eines Franchisesystems zeigen, da der einzelne Franchisepartner sich mit seinen Sorgen an seinen Franchisegeber wenden kann, der auch in solchen Krisenzeiten eine darauf optimierte Systemführung zu leisten hat. Der Autor hat als Mitglied des Rechtsausschusses des Deutschen Franchiseverbandes schon vor Jahren auf die Erstellung von Notfallplänen und finanzielle Krisenlösungen von Franchisesystemen für deren Systempartner hingewiesen, was einzelne Systeme z. B. durch interne Notfallfonds für eventuell in Schwierigkeiten geratene Systempartner auch umgesetzt haben. Allerdings ging es der Franchisewirtschaft bislang so gut, dass solche Überlegungen nicht priorisiert wurden. Das hat sich auf Grund der aktuellen Entwicklungen drastisch geändert. Die aktuelle Lage zwingt alle Franchiseanbieter zur Anpassung ihrer Systeme und zur nachhaltigeren Absicherung aller Systembeteiligten. Der DFV und seine Mitglieder sind diesbezüglich hoch motiviert und engagiert und es werden viele gute und auch innovative Ideen und Aktionen sichtbar. Dazu kommt, dass ein Dach- bzw. Branchenverband ganz andere Zugänge und Möglichkeiten hat als ein Einzelunternehmer. Dabei wird auch ein immanenter Vorteil des Franchising sichtbar, der vor allem systemische Lösungen und Maßnahmen erfordert und vorrangig die Sicherung seiner Systempartner im Focus hat. Das ist natürlich keine Einbahnstraße vom Franchisegeber zum Franchisenehmer, der bei systemischen Maßnahmen auch an seine Mitwirkungspflichten denken muss. In der aktuellen Lage ist aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen und regional oft unterschiedlichen Auswirkungen eine gesicherte Planung für die Franchisebetriebe kaum mehr möglich, vor allem im Einzelhandel und bei der Systemgastronomie. Trotz aller Anstrengungen und auch finanziellen Zuschüssen und/oder Steuerlösungen werden nicht alle Systeme und Systempartner diese Krise unbeschadet überstehen. Nur nachhaltig aufgestellte Franchiseanbieter mit solider Struktur und Substanz werden auch weiterhin wieder erfolgreich wirtschaften und wachsen. Dabei ist der Focus auf Kundenbedürfnisse und dahinter stehende Problemlösungen zu beachten, die als Wettbewerbsvorteil eines Systemanbieters immer nachgefragt werden sollten. Die strategischen Grundfragen werden daher besonders auf deren künftige Tragfähigkeit zu hinterfragen sein und in vielen Fällen wohl den Entwicklungen angepasst werden müssen. Insoweit lässt eine erwartbare Marktbereinigung diese Franchiseanbieter auch überleben. Nichts wird wieder wie vorher und jeder weiß, dass nach der Krise vor der nächsten Krise ist. Jetzt wird vieles ausprobiert und es werden auch viele Fehler gemacht, die nach der Krise aufgearbeitet werden müssen. Aber warum sollte es Franchisesystemen anders ergehen als der Politik. Es dürfte auch sinnvoll sein, die Entwicklungen in anderen Ländern zu verfolgen mit Blick auf den jeweiligen Franchisemarkt. Unterschiedliche Reaktionen auf Krisen helfen vielleicht auf dem eigenen Markt weiter, was proaktive Franchiseanbieter, die eventuell schon international aufgestellt sind agiler reagieren Franchisekonzepte in aktuellen Krisenzeiten Franchising ist ein Vertriebsmodell für unterschiedlichste Branchen mit mehr oder weniger selbstständigen Partnern, die unter einer Marke Produkte und Dienstleistungen anbieten. In der aktuellen Situation sind Franchisenehmer und Franchisegeber massiv von unterschiedlichen Entwicklungen betroffen und teilweise existenziell bedroht. franchiseWISSEN. Foto: © TippaPatt/shutterstock.com

Rechtsanwalt Thomas Doeser: Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkten auf kooperativen Vertragsvertriebssystemen, Franchising, Licensing und internationale Vertriebssysteme. Seit 1980 Partner einer international tätigen Unternehmensberatung (BDU) mit Schwerpunkten in Nordamerika und Osteuropa mit der Spezialisierung auf die Konzeption und den Aufbau von Vertriebssystemen. 1980 Organisator des ersten Franchisekongresses in Deutschland sowie der ersten Franchisemesse in Deutschland. Seit 1983 selbstständiger Rechtsanwalt in Tübingen Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der E.F.LAW, der European Franchise Lawyers Association EEIG. Spezialgebiet Franchise- und Lizenzrecht sowie Strategieentwicklung und Beratung von Mandanten beim Auf- und Ausbau von Vertriebssystemen im In- und Ausland. Aktiv auch im operativen Bereich im Rahmen von Interimsmanagement und Treuhandmanagement. Projektarbeit in ganz Europa, Nordamerika sowie in Russland und in China. Seit 1980 zahlreiche Veröffentlichungen und Fachbuchbeiträge unter anderem zum Thema Franchising, Strategie und Management. Regelmäßige Kolumnen in bekannten Wirtschaftszeitschriften sowie umfangreiche Vortragstätigkeiten im In- und Ausland auf Fachmessen, bei IHK's sowie unter anderem beim Deutschen Franchiseinstitut oder bei der ESB (European School of Business) in Reutlingen. Mitglied der E.F.LAW (Europäische Franchiseanwaltsvereinigung) Bis 2019 seit über 38 Jahren Mitglied im Rechtsausschuß des Deutschen Franchiseverbandes, Mitglied beim Deutschen Fachjournalistenverband, 2000 bis 2016 Vorstandsvorsitzender der Beratergruppe Strategie (EKS) e.V. und eine Vielzahl weiterer Aktivitäten und Mitgliedschaften im In- und Ausland. Kontakt: Rechtsanwalt Thomas Doeser Robert Gradmann Weg 1 · 72076 Tübingen · Tel. 07071 600630 · Telefax 07071 600345 E-Mail: tdoeser@t-online.de · www.franchiseanwalt.de Foto: © Gerhard Blank Der Autor lässt. Das ist durchaus eine Stärke solcher Franchisesysteme, die ein effizienteres Krisenmanagement erwarten lässt. Gerade wenn man sich mit dem Gedanken einer Selbstständigkeit im Franchising beschäftigt, sind dies Grundfragen an potenzielle Anbieter, deren Beantwortung plausibel sein muss. Die aktuelle Situation ist aber auch ein idealer Nährboden für neue Konzepte und Geschäftsmodelle für die gesellschaftlich weitreichenden Folgen der Krise. Die durch die Krise beschleunigte Digitalisierung eröffnet neue Chancen für fast alle Franchisesysteme und auch für neue Franchisesystementwicklungen mit ganz neuen Geschäftsmodellen. Allein die Vielzahl neuer Portale und Funktionen mit Vernetzung regionaler Anbieter sind für das Franchising hochinteressante Potenziale. Jetzt ist die Zeit für neue Strategien und innovative Methoden zu deren Umsetzung. Jahrzehntelange Erfahrung im Franchising kennt auch die antizyklische Entwicklung des Franchising. Das bedeutet, dass in Anbetracht der wohl steigenden Arbeitslosenzahlen viele neue Gründer nach geeigneten Gründungsideen und Möglichkeiten einer Selbstständigkeit suchen werden, was bei geringer Arbeitslosigkeit weniger der Fall ist. Systemgestützte Gründungen durch Franchising sind dabei besonders attraktiv, insbesondere wenn diese in der aktuellen Krise nachhaltige Konzepte bewiesen haben. Die neuen Franchiseinteressenten werden sicher vermehrt systemische Konzepte für Krisenzeiten bei Franchiseanbietern nachfragen und deren Antworten darauf sollten valide sein. Auch dürfte zu erwarten sein, dass eine verstärkte staatliche Gründerförderung erfolgen wird bzw. erfolgen muss, die für künftige Franchisenehmer vorgedacht sein sollte zur Optimierung einer Franchisegründung. Auch für das Franchising gilt daher der alte Satz, Krisen auch als Chancen zu begreifen und alte Strategien und Prozesse auf den Prüfstand zu stellen und agil den veränderten Umständen anzupassen. Wir müssen es wagen!

Steuertipp Der Staat hat sich den Zugriff auf den fahrlässig oder gar vorsätzlich handelnden Gesellschafter-Geschäftsführer ausdrücklich noch einmal gesetzlich gesichert. Wenn der Geschäftsführer also die Lohnsteuern für sich und seine Angestellten nicht abführt, dann kann er mitunter auch persönlich in Haftung genommen werden. Aber nicht nur bei den Kosten droht potenziell eine Haftung. Auch wenn bei den Kasseneinnahmen geschludert wird, kann das Finanzamt versuchen, den Gesellschafter in Anspruch zu nehmen. Es ist zwar noch nicht höchstrichterlich geklärt, ob eine GmbH im Zweifel wie ein Einzelunternehmen behandelt werden kann, wenn die notwendige Trennung zwischen dem Privatvermögen des Gesellschafters und „seiner“ Kapitalgesellschaft fehlt. Allerdings zeigt die aktuelle Rechtsprechung, dass auch hier nichts in Stein gemeißelt zu sein scheint. Das Finanzgericht (FG) Münster hatte einen Fall zu entscheiden, bei dem das Finanzamt bei einer Kapitalgesellschaft nicht erklärte Bareinnahmen hinzuschätzte. Begründet wurde dies einerseits mit Fehlern bei der Kassenführung, aber andererseits auch mit ungeklärten Vermögenszuwächsen aufgrund der beim Gesellschafter durchgeführten Bargeldverkehrsrechnung. Hinzuschätzung nur wegen Mängeln bei der Finanzbuchhaltung zulässig Das FG erkannte die Hinzuschätzung nur hinsichtlich der unzureichenden FinanzKeine Hinzuschätzung bei unklarer Mittelherkunft Aktuelles Urteil zur Betriebsprüfung einer GmbH Als selbstständiger Unternehmer muss man sich schützen, erst recht, wenn man über erhebliches Privatvermögen verfügt. Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) wird daher gern gewählt, denn bei dieser haftet grundsätzlich nur das Betriebsvermögen der Gesellschaft selbst. Der Gesellschafter ist in der Regel vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt, sofern er sich nicht selbst verpflichtet oder verbürgt. Das gilt aber nicht in jedem Fall – insbesondere, wenn der Gesellschafter auch Geschäftsführer ist, der seinen Pflichten nicht in ausreichendemMaße nachgekommen ist, kann eine Haftung infrage kommen.               €   ‚   € ƒ „ ƒ…†‡  ˆ     „              € ‚  € ƒ „ … † ‡ˆ„‰ Š ‹ ‰‡ ‰ ƒ   Š † 

buchführung mittels (Un-)Sicherheitszuschlag in Höhe von 1,5 Prozent der getätigten (baren und unbaren) Gesamtumsätze an. Die Hinzuschätzung aufgrund ungeklärter Vermögenszuwächse beim Gesellschafter ging dem Gericht dann jedoch zu weit. Denn die Bargeldverkehrsrechnung beim Gesellschafter kann nicht ohne weiteres der Kapitalgesellschaft zugerechnet werden. Dies gilt nach Auffassung des FG Münster selbst für den Fall, dass der Gesellschafter seiner GmbH erhebliche Barbeträge in Form von verdeckten Einlagen zuwendet. Des einen Freud … Die Entscheidung des FG Münster scheint auf den ersten Blick nur vorteilhaft zu sein. Denn wenn ungeklärte Vermögenszuwächse beim Gesellschafter nicht der GmbH zugerechnet werden können, werden auf GmbH-Ebene zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Erstens kann es mangels Hinzuschätzung auch keine Steuernachzahlungen und Zinsen auf Ebene der GmbH geben. Zweitens stellt sich dadurch auch nicht die Frage nach einer verdeckten Gewinnausschüttung, bei welcher der verbleibende Nettobetrag noch einmal mit Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag belegt wird. Die sehr hohe GmbH-Ausschüttungssteuerbesteuerung mit einem Gesamtsteuersatz von knapp 50 Prozent fällt somit nicht an. Kehrseite der Medaille: … des anderen Leid Doch wenn das Finanzamt bereits so weit gegangen ist und Erkenntnisse über die privaten Vermögensverhältnisse des Gesellschafters gewonnen hat, dann liegt es im nächsten Schritt nahe, beim Gesellschafter selbst eine etwas genauere Prüfung seiner bisherigen Einkommensteuerveranlagung vorzunehmen. Ungeklärte Vermögenszuwächse können dann zumindest noch auf Ebene des Gesellschafters mit Einkommensteuer und gegebenenfalls auch mit Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer besteuert werden. Fazit Eine Hinzuschätzung und die Besteuerung fiktiver Ausschüttungen bei einer GmbH ist nicht allein aufgrund ungeklärter Barmittel des Gesellschafters zulässig. Es bleibt aber dabei, dass Fehler und Mängel bei der Kassenführung auch bei einer GmbH teuer werden können. Ob die hinzugeschätzten und besteuerten Beträge dann aber auch zur Besteuerung einer verdeckten Gewinnausschüttung führen, kommt immer auf den Einzelfall an. Alternativ sind hierbei auch nicht abzugsfähige Betriebsausgaben denkbar, wenn das Finanzamt den Zufluss beim Gesellschafter nicht final nachweisen kann. Da Fehler und Mängel bei der Kassenführung für Prüfer ein gefundenes Fressen sind, sollte dies Chefsache sein und regelmäßig auf Herz und Nieren geprüft und dokumentiert werden. Gunnar Aurin Steuerberater ETL Aurin & ADVISA Steuerberatungs- gesellschaft mbH Phoenixseestr. 17 44263 Dortmund etl-advisa-dortmund@etl.de www.etl.de/etl-advisa-dortmund Die Autorin WIR SUCHEN NUR DIE BESTEN! Werden Sie Franchise-Partner. Jetzt informieren unter: mundfein.de/franchise über 45 x in Deutschland freundliche Restaurantkette 2022 vegan-

10 Sind Digitalisierung und Innovation seitens der Banken finanzierbar? Gibt es dafür Fördermittel? Digitalisierung und alles, was damit zusammenhängt, bestimmen aktuell die Debatten. Die digitale Herausforderung betrifft sowohl kleine Unternehmen als auch Existenzgründer, denn schließlich geht es um ihre Zukunft in einem hart umkämpften Markt. Aus diesem Grund haben einige Bundesländer Programme installiert, um Gründer und Unternehmen bei diesem Thema in Form von zinsgünstigen Darlehen zu unterstützen. Am Beispiel des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen zeige ich ihnen auf, was die NRW Bank in diesem Bereich finanziert bzw. welches Programm es gibt. Die NRW Bank hat seit einiger Zeit das Programm NRW.BANK. Digitalisierung und Innovation mit zinsgünstigen Darlehen (optional mit einer Haftungsfreistellung der NRW Bank für das durchleitende Kreditinstitut) aufgelegt. Gefördert werden grundsätzlich › U nternehmen in Gründung › k leine, mittlere und große Unternehmen (KMU) › A ngehörige der freien Berufe Grundsätzlich finanzierbar sind digitale Produktion und deren Verfahren, zum Beispiel die Integration mobiler Betriebsgeräte in die Produktionssteuerung, die Vernetzung von Geräten, die Neueinbindung von Hardware, sind digitale Produkte, zum Beispiel der Aufbau von digitalen Plattformen (Software), sowie die digitale Strategie und Organisation, zum Beispiel die Entwicklung und Implementierung eines IT-, Datensicherheits- und/oder digitalen Kommunikationskonzepts. Wichtig aus meiner Sicht ist, dass nicht nur digitale Anwendungen gefördert werden, sondern auch Investitionen in Maschinen und maschinelle Anlagen (Non-IT-Hardware). Das ist vielen nicht bewusst! Außerdem sind im Bereich der Innovation folgende Investitionen förderbar, zum Beispiel: › I nvestitionen in das Anlagevermögen, sofern sie im eigenen Betrieb installiert werden und im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Investitionsvorhaben stehen › Lizenzerwerbe › e xtern erworbene Beratungsdienstleistungen bei Erschließung neuer Märkte oder Einführung neuer Produktionsmethoden › erste Messeteilnahmen Kreditlaufzeiten sind zwischen drei und bis zu zehn Jahren möglich. Eine Tilgungsfreiheit wird, wenn gewünscht, gewährt (siehe Merkblatt der NRW Bank und auch tagesaktuelle Zinsen auf der Homepage der NRW Bank). Um gerade in der angespannten wirtschaftlichen Lage den Banken die Kreditentscheidung für das oben aufgeführte Programm etwas zu erleichtern, hat die NRW Bank den Hausbanken die Möglichkeit gegeben, bei diesem Programm eine Sicherheit in Form einer 50%igen Haftungsfreistellung zu beantragen. Aus unserer Sicht ist das ein wichStephan Neuschulten Geschäftsführer der Neuschulten Unternehmensberatung GmbH, Wuppertal Der Autor franchiseWISSEN.

11 Home Instead ist Weltmarkführer in der häuslichen Seniorenbetreuung und der größte Betreuungs- und Pflegedienst in privater Trägerschaft in Deutschland. Wir stehen für persönliche Betreuung und nichtmedizinische Pflege zuhause. Sie sind ein(e) vertriebsstarke(r) Führungskraft / Manager mit hoher Sozialkompetenz und Empathie? Dann werden Sie Teil unseres mehrfach ausgezeichneten Franchise-Systems. VERÄNDERN SIE MIT UNS DAS GESICHT DES ALTERNS ZERTIFIZIERTES VOLLMITGLIED DEUTSCHER FRANCHISEVERBAND Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme: Tel.: 02234 209099-53 E-Mail: unternehmer@homeinstead.de www.franchise.homeinstead.de tiger Baustein, um Unternehmen mit fehlenden Sicherheiten und wenig Eigenkapital zu unterstützen, und somit deren Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Der Kredit wird über eine Hausbank beantragt (Sparkassen, Volksbanken und Geschäftsbanken). Dass ein vernünftiger Businessplan und sonstige bankübliche Unterlagen der Bank zur Verfügung gestellt werden müssen, sollte allen klar sein. Denn nur auf dieser Basis kann die Bank entscheiden, ob der Kredit gewährt wird. Informieren Sie sich als Franchisegründer und Franchisenehmer über dieses Programm. Viele denken bei den Programmpunkten Digitalisierung und Innovation, dass dieses Kreditprogramm nur für Firmen wie zum Beispiel der Medizin- oder Pharmaindustrie etc. passen. Nein auch Fitnessstudios oder die Gastronomie sind innovativ und digital und somit könnte das Programm auch für diese Branchen passen. Einige Banken weisen manchmal gar nicht auf diese Mittel hin und lehnen wegen fehlender Sicherheiten oder sonstigen Gründen Kredite ab. Um das zu verhindern, sollten sich Franchisenehmer oder Gründer zeitnah informieren. Denn wir alle wissen, dass fehlende Innovation und Investition Stillstand bedeutet und damit auch die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der Unternehmen einschränkt. Foto: © Deemerwha studio/shutterstock.com

12 franchiseEXPERTEN. Grundsätzliches zum Leasing Seit Jahrzehnten ist Leasing bei der Finanzierung des Anlagevermögens als Sonderfinanzierungsform und Alternative zur üblichen Finanzierung weit verbreitet. Maschinen und technische Anlagen, IT-Equipment, Gastronomieausstattung, Medizintechnik und natürlich Fahrzeuge aller Art. Inzwischen gibt es kaum ein Wirtschaftsgut, das sich nicht per Leasing anschaffen lässt. Grundvoraussetzung für eine Leasinglösung ist immer, dass das Wirtschaftsgut drittverwendungsfähig ist. Das bedeutet, dass das Leasingobjekt nicht nur speziell vom Leasingnehmer sinnvoll genutzt werden kann, sondern generell von einem größeren Nutzerkreis. Leasing ist in vielen Fällen lohnenswert. Bei der Entscheidungsfindung reicht es aber nicht, nur auf die monatliche Leasingrate zu schauen. Es bietet sich an, wenn für weitere Finanzierungen mit mittel- und langfristigen Laufzeiten keine entsprechenden Sicherheiten vorhanden sind. Mit einer Vergleichsrechnung sollten die gesamten Kapitalkosten des Leasingvertrages dem entsprechenden Kreditvertrag gegenüber gestellt werden, auch unter Berücksichtigung steuerlicher Aspekte. Leasinggesellschaften sind häufig Tochtergesellschaften von Finanzinstitutionen und müssen sich die finanziellen Mittel selbst beschaffen. Das verteuert die Kalkulation. Dagegen sind beim Herstellerleasing oft vorteilhaftere Leasingkonditionen zu bekommen. Leasing kann auch bei Gründungsvorhaben von Vorteil sein, wenn keine entsprechenden Sicherheiten angeboten werden können. Allerdings ist auch hier eine Bonitätsprüfung obligatorisch. Der Leasinggeber prüft grundsätzlich, ob Sie über die gesamte Vertragslaufzeit in der Lage sein werden, die Zahlungsverpflichtungen zur erfüllen. Das kann dazu führen, dass eine höhere Sonderzahlung bei Vertragsbeginn verlangt wird oder eine Bankbürgschaft hinterlegt werden muss. Bei Franchisegründungen ergibt sich ein Vorteil aus der Drittverwendung, der oft nicht beachtet wird, aber logisch ist. Auch in Franchisesystemen ergeben sich hin und wieder Situationen, in denen ein Franchisebetrieb geschlossen werden muss. Ob das ein Betrieb der Systemgastronomie, aus dem Handwerk oder ein Fitness-Studio ist, die Geräte und die zum Teil spezielle Betriebseinrichtung muss wirtschaftlich bestmöglich verwertet werden. Da sich Franchisesysteme aber stets in der Expansion befinden, besteht die Chance, genau diese Leasinggüter in einem anderen Standort zu platzieren. Bei allem gilt die Faustregel: Die Leasingdauer darf nicht länger sein als die Nutzungsdauer des geleasten Wirtschaftsgutes – aber das ist bei klassischen Finanzierungen genauso der Fall. Leasingraten sind Fixkosten und können über die gesamte Laufzeit vollständig als Betriebsausgabe geltend gemacht werden, ebenso die laufenden zurechenbaren Kosten für Versicherung, Wartung und Reparaturen. Für einen Kredit zahlen Sie ebenfalls eine gleichbleibende Rate, die aber aus Zinsen und Tilgung besteht. Das Verhältnis beider Bestandteile verändert sich jedoch während der Laufzeit zueinander. Am Beginn eines Annuitätendarlehens sind in der Rate fast nur Zinsen enthalten, gegen Ende fast nur noch Tilgung. Aber nur der Zinsanteil zählt als Betriebsausgabe und ist damit steuerlich wirksam, während die Tilgung aus dem Gewinn nach Steuern gezahlt wird. Bei der Entscheidung, ob Leasing oder klassische Kreditfinanzierung besser ist, sollten daher nicht nur die Konditionen verglichen werden, sondern auch die wirtschaftliche Perspektive des Unternehmens einschließlich der sich daraus ergebenen steuerlichen Konsequenzen. In der Praxis sind Leasingverträge fast ausnahmslos so gestaltet, dass der Leasinggeber als wirtschaftlicher Eigentümer gilt und das jeweilige Wirtschaftsgut bei ihm in der Bilanz erfasst wird. Dadurch können Sie keine Abschreibungen geltend machen, was in einer Gewinnsituation natürlich die Steuerlast mindern würde. Wenn es um die Reduzierung der Steuerlast geht, entwickelt der Eine oder Andere ohnehin oft erstaunliche Kreativität – und gerade bei Leasingverträgen von Kraftfahrzeugen ist die Versuchung groß. Da wird ein Vertrag mit hohen Leasingraten abgeschlossen, der gleichzeitig eine Kaufoption am Ende der Vertragslaufzeit enthält. Diese Kaufoption wird dann vom Ehepartner ausgeübt, oder bei einer GmbH von einem Gesellschafter. Das ist nicht korrekt und spätestens bei einer Betriebsprüfung präsentiert Ihnen das Finanzamt eine entsprechende Nachforderung. Leasingvarianten Wenn Leasing bei einer Investitionsentscheidung als Alternative in Betracht kommt, muss im nächsten Schritt geklärt werden, welche Leasingvariante am sinnvollsten ist. Es beginnt mit der Frage, ob Vollamortisation oder Teilamortisation wirtschaftlicher ist. Vollamortisation bedeutet, dass das Leasinggut im Rahmen des Vertrages seine völlige Abschreibung erreicht . Im Gegensatz dazu bleibt im Rahmen der Teilamortisation zum Ende des Vertrages noch ein bilanzieller Restwert . Ein Vollamortisationsvertrag hat eine feste, unkündbare Vertragslaufzeit. Die während der Laufzeit geleisteten Leasingzahlungen führen zur Vollamortisation beim Leasinggeber. Am Ende der VertragsLeasing als Finanzierungsalternative „Rent a Steak“ – ein solches Gastronomiekonzept gegen steigenden Fleischkonsum würde vermutlich sogar eingefleischte Veganer begeistern. Leider gibt es nennenswerte logische Gründe, die gegen eine Realisierung dieser Idee sprechen, obwohl es inzwischen fast alles zu mieten gibt. Neben der Möglichkeit etwas zu mieten, gibt es noch das Leasing in all seinen Varianten und ist für Selbstständige immer eine Überlegung wert. Seit 1988 berät Reinhard Wingral rund 300 Franchiseprojekte verantwortet und über 1.200 Gründungen begleitet. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Wingral & Partner Unternehmensberatung für Franchising und Innovation und Vorstandsvorsitzender der Global Franchise AG, die Beteiligungen an Franchiseunternehmen hält und das Systemmanagement junger Systeme führt. Einige grundlegende Innovationen für die Franchisewirtschaft stammen von ihm, u.a: •  Initiator und geschäftsführender Gesellschafter der ersten Beteiligungsgesellschaft, die sich mit Risikokapital an Franchise-systemen beteiligt •  Entwicklung und Realisierung des Berufsbildes „Franchise Management IHK“ •  Begleitung von EU-Projekten zur Etablierung des Franchise in den baltischen Staaten Reinhard Wingral ist Mitglied in der International Lawyers Association (IFLA), im Business Angel Netzwerk Deutschland (BAND), akkreditierter Berater bei der Bürgengemeinschaft Hamburg und weiterer wirtschaftsnahen Organisationen. Kontakt: r.wingral@wingral.de Der Autor

13 laufzeit wird das Wirtschaftsgut zurückgegeben, weitere Zahlungen sind nicht zu leisten. Möglich ist, als Unternehmer eine vertraglich vereinbarte Kaufoption zu vereinbaren. Der Kaufpreis ist dann der Restbuchwert oder der Marktwert, sofern er niedriger ist als der Restbuchwert. Beim Teilamortisationsvertrag führen die in der Vertragslaufzeit geleisteten Leasingraten nicht zur Vollamortisation. Am Ende der Vertragslaufzeit ist der Leasinggeber meistens bereit, über eine Vertragsverlängerung mit reduzierten Leasingraten zu verhandeln, da es sich nun um ein gebrauchtes Wirtschaftsgut handelt . Weitere Optionen bestehen darin, das Leasingobjekt zu einem vertraglich fixierten Restwert zu übernehmen oder eine Mehrerlösbeteiligung zu vereinbaren. In jedem Fall ist eine Vertragslaufzeit zu vereinbaren, die den individuellen Verschleißbedingungen entspricht, um veraltete und unwirtschaftliche Maschinen und Geräte problemlos austauschen zu können. Nun zur Frage Herstellerleasing oder Bankenleasing. Ob der Leasinggeber das Wirtschaftsgut selbst finanziert hat oder aus seinem eigenen Bestand entnimmt, ist zwar für das Vertragsverhältnis der beiden Leasingpartner nicht ausschlaggebend, kann aber bei der Entscheidungsfindung sehr wohl eine Rolle spielen. Beim Herstellerleasing oder direkten Leasing ist, wie der Begriff schon sagt, der Hersteller der Vertragspartner. Er bietet oft günstige Konditionen, weil bei ihm die vertriebspolitischen Ziele im Vordergrund stehen und auch das noch nicht ausreichend belegbare Kreditstanding bei Neugründungen erst an zweiter Stelle steht. Allerdings sind bei dieser Variante natürlich auch nur die Produkte des Herstellers zu bekommen. Im Gegensatz dazu ist beim indirekten Leasing eine unabhängige Leasinggesellschaft der Vertragspartner und Sie sind als Unternehmer frei bei der Entscheidung, welches Wirtschaftsgut von welchem Hersteller angeschafft werden soll. Wenn es in einem Franchisesystem zwingend erforderlich ist, bestimmte Maschinen oder Betriebseinrichtungen anzuschaffen, der Hersteller aber selbst kein Leasing anbietet, bleibt ohnehin nur das Bankenleasing. Bei der Beschaffung eines Fahrzeuges ist die Entscheidung dagegen einfach, weil nahezu alle Autohersteller permanent ein großes Spektrum an Leasingangeboten haben. Durch Rabatte oder zu optimistisch geschätzte Preisentwicklungen auf dem Gebrauchtwagenmarkt werden die Leasing- raten einzelner Automodelle kurzzeitig extrem günstig gerechnet. Lassen Sie sich davon nicht blenden, denn bei Rückgabe des Fahrzeuges kann aus dem schadstoffarmen Vehikel schon längst ein Umweltmonster geworden sein. Deshalb sollte das Kilometerleasing, bei dem sämtliche Kosten über den gesamten Zeitraum des Leasings hinweg gut vorhersehbar bleiben, bevorzugt werden. Beim Kilometerleasing vereinbaren Sie mit dem Leasinggeber eine definierte Laufzeit und eine maximale Laufleistung in Kilometern. Solange Sie diese nicht deutlich überschreiten, fallen keine Zusatzkosten an. Das Restwertrisiko liegt damit beim Leasinggeber, was in letzter Zeit durch das Dieselchaos sogar einige namhafte Autohäuser in die Insolvenz getrieben hat. Inzwischen gibt es gut funktionierende digitale Plattformen, die gerade den großen Bereich Fahrzeugleasing transparent machen und Sie vor teuren Fehlentscheidungen bewahren. Eine spezielle Form des Leasings ist das sogenannte „Sale and Lease back“, das einer kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung dient. Der Leasingnehmer besitzt zum Beispiel ein Hotel, benötigt aber gleichzeitig Liquidität für eine umfassende Modernisierung, weil er sich einem Franchisesystem anschließt. Er verkauft die Immobilie an eine Leasinggesellschaft und schließt gleichzeitig dazu einen Leasingvertrag, der ihm die künftige Nutzung seines Hotels zusichert. Dem erzielten Verkaufserlös stehen jetzt die mittel- bis langfristigen Leasingraten auf der Kostenseite gegenüber. Bei dieser Form des Leasing ist auf jeden Fall eine qualifizierte Bewertung der Unternehmensstrategie notwendig – Sale und Lease back ist immer ein Maßanzug. Über deutlich kleinere Beträge sprechen wir dagegen beim „Small-Ticket-Leasing“, wobei es für diesen Begriff eigentlich keine genaue Definition gibt. Meist handelt es sich hier um Investitionsobjekte wie kleine IT-Netzwerke, medizinische Geräte oder spezielle Küchenmodule in der Gastronomie. Vorteile und Nachteile Die Vorteile des Leasings sind, bei passender Vertragsgestaltung, vielfältig. Sie wahren als Unternehmer Ihren finanziellen Spielraum bei Ihrer Hausbank, ein vereinbarter Kreditrahmen bleibt uneingeschränkt erhalten und wird durch die Leasinginvestition nicht in Anspruch genommen. Die Liquidität wird geschont, denn an Stelle eines einmalig höheren Liquiditätsabflusses findet ein kontinuierlicher niedrigerer Liquiditätsabfluss statt, der im Einklang mit den aus dem Wirtschaftsgut erwirtschafteten Erträgen steht. Dieser Effekt hat unter der Bezeichnung „Pay as you earn“ schon lange Einzug in die Betriebswirtschaftslehre gehalten. Leasingobjekte sind bilanzneutral und können somit die Eigenkapitalquote und das Rating des Unternehmens positiv beeinflussen. Durch feste monatliche Raten entsteht eine bessere Planungssicherheit und wer durch geleaste Maschinen und Geräte stets den neuesten Stand der Technik nutzt, optimiert in vielen Fällen auch die laufenden Betriebskosten. Oft erhält der Leasinggeber aufgrund von größeren Abnahmemengen bessere Einstandspreise – ähnlich wie bei Rahmenvereinbarungen in Franchisesystemen –, die für den Leasingnehmer in Form von günstigen Leasingkonditionen nützlich sind. Und wenn Leasing mit entsprechendem Service durch den Leasinggeber vereint ist, sparen Sie sich als Leasingnehmer Verwaltungsaufwand und haben ein weiteres Stück Kalkulationssicherheit. Natürlich gibt es auch Nachteile oder eventuelle Nachteile für den Leasingnehmer, die auf den ersten Blick kaum erkennbar sind. Zum Beispiel bei Streitigkeiten um die Themen Garantie und Gewährleistung macht das Dreiecksverhältnis Leasinggeber-Leasingnehmer-Hersteller die Situation komplizierter. Der Leasingnehmer muss im Zweifel Ansprüche gegen den Lieferanten oder Hersteller auf eigenes Risiko geltend machen, während eine Einstellung von Zahlungen an den Leasinggeber nicht möglich ist. Teuer wird es auch bei Verlust des Wirtschaftsguts während der Leasingvertragslaufzeit. Eine typische Situation ist der Totalschaden oder der Diebstahl eines Fahrzeuges. Die abgeschlossene Versicherung ersetzt zwar den Verlust zum Verkehrswert, der Leasingnehmer muss aber für die vorzeitige Beendigung des Leasingvertrages Gebühren und Schadensersatz zahlen. Es kann auch sein, dass der Buchwert des Fahrzeugs mit Totalschaden höher ist als der von der Versicherung ersetzte Verkehrswert. Die Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert und dem Leasingrestwert muss der Leasingnehmer auch wohl oder übel ausgleichen. Unerfreulich wird es auch bei komplexen Ausrüstungen, etwa der IT eines Unternehmens. Hier passen durch leasingfinanzierte Nach- und Aufrüstungen irgendwann die Laufzeiten der verschiedenen Leasingverträge aller Komponenten nicht mehr zusammen. Wenn dann die Entscheidung getroffen wird, die gesamte IT-Ausrüstung zu erneuern, entstehen entsprechende Kosten für die vorzeitige Beendigung der noch laufenden alten Leasingverträge. Fazit Wenn es um Investitionen im Unternehmen geht, sind die wirtschaftlichen und finanziellen Ausgangssituationen höchst unterschiedlich. Die Finanzierung durch Leasing setzt, ebenso wie die Finanzierung durch einen Kredit, eine entsprechende Bonität voraus – das andere ist Wunschdenken. Leasing als Finanzierungsalternative bietet dafür viele Möglichkeiten, die aber immer individuell bewertet werden müssen. Die Höhe der Leasingrate, steuerliche Auswirkungen, technische Aspekte und viele juristische Details im Leasingvertrag spielen dabei eine Rolle. Die Vorteile beim Leasing sind nicht von der Hand zu weisen. Aber wie bei jeder Finanzierung gilt auch hier: Das meiste Geld geht beim Bezahlen drauf.

14 Der Bindungsgrad und seine Folgen Selbstverständlich gibt es höchst unterschiedliche Franchisesysteme, deren Unternehmenskonzepte ein unterschiedliches Ausmaß an vertraglicher Bindung erforderlich machen. Deshalb lässt sich weder pauschal sagen, dass Franchisenehmer nicht „echte Selbstständige“ sind noch dass jeder Franchisenehmer durchaus in nennenswertem Umfang unternehmerische Freiheit genießt. Auf der Skala zwischen intensiver Bindung und großer unternehmerischer Freiheit sind viele Franchisesysteme in der Mitte angesiedelt, manche indes eher an dem einen oder anderen Ende der Skala. Dementsprechend ist für jedes Franchisesystem ein genauer Blick in den Franchisevertrag erforderlich, um zu erkennen, welche unternehmerischen Freiheiten dem Franchisenehmer konkret bleiben. Wenn Sie sich für eine Unternehmensgründung im Franchising interessieren, sollten Sie dies genau prüfen und überlegen, ob Sie mit dem Bindungsgrad persönlich zurechtkommen können. Es gibt Menschen, die mit der arbeitsteiligen Kooperation zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer sehr gut zurechtkommen. Für diese Menschen ist eine Tätigkeit als Franchisenehmer ideal. Andere Menschen legen hingegen sehr viel Wert auf berufliche Individualität und eine möglichst grenzenlose Selbstverwirklichung im eigenen Unternehmen. Für diese Menschen ist Franchising vermutlich weniger geeignet. Man darf die vertragliche Bindung von Franchisenehmern nicht verharmlosen. Wenn wir in dieser Zeitschrift von „Franchising“ sprechen, meinen wir die Vergabe von Lizenzen an Unternehmenskonzepten, mit denen die Franchisenehmer erfolgreich wirtschaften können. Das trifft auf den überwiegenden Teil der Franchisewirtschaft zu. Allerdings gibt es auch Unternehmen, die Franchising missbräuchlich verwenden. Dazu gehören Fälle, in denen Arbeitnehmer in Franchisenehmer umdeklariert werden, damit sich der ehemalige Arbeitgeber seinen gesetzlichen Pflichten entziehen kann. Bei solchen Franchisesystemen ist der Bindungsgrad in der Regel so weitgehend fortgeschritten, dass der Franchisenehmer keine nennenswerte unternehmerische Freiheit hat. Er unterliegt den Weisungen des Franchisegebers ebenso, wie der Arbeitnehmer den Weisungen des Arbeitgebers. Die Franchisenehmer in solchen Systemen sind tatsächlich keine Selbstständigen, sondern werden im Sozialversicherungsrecht als Beschäftigte angesehen. Denkbar ist sogar, dass arbeitsrechtliche Bestimmungen auf sie Anwendung finden. Von diesen Fällen soll in dem vorliegenden Beitrag nicht weiter die Rede sein. Wenn nachfolgend die Bindung und die unternehmerischen Freiheiten des Franchisenehmers beschrieben werden, ist von den guten Franchisesystemen die Rede, die in dieser Zeitschrift regelmäßig behandelt werden. Notwendige Felder vertraglicher Bindung Die meisten vertraglichen Bindungen, die sich in Franchiseverträgen finden, sind ein notwendiges Mittel für den einheitlichen Marktauftritt. Dementsprechend ist der Franchisenehmer an Lieferanten und Dienstleister gebunden, die mit Aufbau und Ausstattung des Systembetriebes zu beauftragen sind. Dies schließt teilweise auch die Beauftragung von Architekten und Ausbaufirmen ein. Damit kann eine einheitliche Qualität und ein einheitliches Erscheinungsbild erreicht werden. Dass diese Bindungen unumgänglich sind, leuchtet ein. Entsprechendes gilt, mit einer gesetzlichen Einschränkung, für den Einkauf der Ware. Niemand würde erwarten, dass der Franchisenehmer die Ware von beliebigen Lieferanten seiner Wahl einkaufen kann. Insbesondere wenn der Franchisegeber selbst der Hersteller oder Importeur der Ware ist, dient ihm das Franchisesystem als Absatzkanal, mit der Folge, dass die Franchisenehmer an den Einkauf der Ware gebunden werden. Allerdings ist der Franchisegeber aufgrund kartellrechtlicher Vorgaben verpflichtet, dem Franchisenehmer in einem Umfang von 20 Prozent des Wareneinkaufs die Freiheit zu geben, andere Lieferanten auszuwählen. Von diesen kartellrechtlichen Vorgaben gibt es allerdings eine Reihe von Ausnahmen, die der Franchisegeber für sich nutzen kann. Insbesondere wenn der Franchisegeber auch der Vermieter des Ladengeschäfts ist, ist eine vollständige Bindung des Franchisenehmers beim Warenbezug möglich. Der Franchisenehmer zwischen vertraglicher Bindung und unternehmerischer Freiheit Franchisenehmer unterliegen einer großen Anzahl vertraglicher Bindungen. Dies ist notwendig, damit das gemeinsame Ziel aller Beteiligten erreicht werden kann: Ein einheitlicher Marktauftritt sämtlicher Systembetriebe. Aufgrund dieser Bindung ist die unternehmerische Freiheit des Franchisenehmers eingeschränkt. Hier lesen Sie, welche unternehmerischen Freiheiten einem Franchisenehmer bleiben. franchiseRECHT. Dr. Patrick Giesler ist einer der führenden Franchiserechtsanwälte. Sein Team ist heute exklusiv und ausschließlich für die Seite der Franchisegeber tätig. Die Kanzlei berät bei Systemaufbau, Systemoptimierung, Franchiseverträgen und Handbüchern. Herr Dr. Giesler hat in den letzten 15 Jahren an dem Aufbau von über 80 Systemen mitgewirkt. Er ist Autor und Herausgeber von mehreren Fachbüchern über Franchising (zum Beispiel das in der zweiten Auflage erscheinende Werk „Franchiserecht“ im Luchterhand-Verlag) und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift franchiseERFOLGE. Herr Dr. Giesler ist Vorstandsvorsitzender der „International Franchise Lawyers Association“ (IFLA), einem weltweiten Netzwerk von Spezialanwälten für Franchising (www.franchiselawyers.de) Kontakt: BUSSE & MIESSEN Rechtsanwälte Partnerschaft Telefon (02 28) 983 91-26, E-Mail: kanzlei@busse-miessen.de Der Autor

15 Die Einheitlichkeit des Marktauftritts kann nicht allein durch ein einheitliches äußeres Erscheinungsbild erreicht werden. Zum Corporate Design muss auch Corporate Behaviour hinzukommen. Dementsprechend stellt ein Franchisesystem sicher, dass die Mitarbeiter des Franchisenehmers gegenüber den Kunden möglichst einheitlich auftreten. Dies wird hauptsächlich durch ein entsprechendes Training bewerkstelligt, wobei der Franchisenehmer die Teilnahme seiner Mitarbeiter auf eigene Kosten sicherstellen muss. Hinzukommt, dass der Franchisenehmer auch dahingehend vertraglich gebunden wird, dass er sicherstellen muss, dass seine Mitarbeiter die von dem Franchisegeber aufgestellten Regeln beachten. Wenn das Franchisekonzept eine Dienstleistung betrifft, geht die Bindung in dem Bereich häufig noch weiter. Denn der Franchisegeber muss sicherstellen, dass die unter seiner Marke angebotene Dienstleistung an sämtlichen Standorten eine identische Qualität hat. Weil die Dienstleistung durch Menschen erbracht wird, die im Ausgangspunkt unterschiedlich qualifiziert sein können, kann und muss dies durch Training, Kontrollen und Sanktionen bewerkstelligt werden. Franchisesysteme, die in diesem Marktsegment tätig sind, verfügen häufig über einen besonders hohen Bindungsgrad. Dies gilt insbesondere für die Systemgastronomie, bei der das Leben und die Gesundheit der Kunden von der Einhaltung der Richtlinien abhängen kann. Franchisenehmer sollten den weitreichenden Bindungsgrad in diesem Fall nicht als Last verstehen. Denn wenn einzelne andere Franchisenehmer gegen die Richtlinien verstoßen und es beispielsweise zu Lebensmittelvergiftungen kommt, steht der Ruf der Marke und damit die wirtschaftliche Existenz sämtlicher Franchisenehmer des Systems auf dem Spiel. Deshalb ist jeder einzelne Franchisenehmer darauf angewiesen, dass der Franchisegeber mit Nachdruck sicherstellt, dass die Richtlinien an jedem Standort eingehalten werden. Ein Franchisesystem, dass dies nicht durch einen weitreichenden Bindungsgrad sichergestellt hat, ist auf Sand gebaut. Unternehmerische Freiheiten des Franchisenehmers Trotz der Bindung an eine Reihe vertraglicher Vorgaben sind Franchisenehmer echte Unternehmer, die über ein ausreichendes Maß unternehmerischer Freiheit verfügen. Auch hier gilt, dass dies von Franchisesystem zu Franchisesystem unterschiedlich ist. Denn im Grunde besteht überall dort unternehmerische Freiheit, wo eine Bindung an Vorgaben und Richtlinien nicht vorgesehen ist. In fast jedem Franchisesystem steht dem Franchisenehmer die Personalhoheit uneingeschränkt zu. Er entscheidet allein, mit welchen Mitarbeitern er den Systembetrieb führt. Das Direktionsrecht eines Arbeitgebers steht dem Franchisenehmer uneingeschränkt zu. Dies beginnt bei der Einstellung und Gestaltung der Arbeitsverträge, geht über seine Verantwortung für die Dienstpläne und reicht bis zur Beendigung von Arbeitsverhältnissen. Des Weiteren sind die Vertragsbeziehungen zu Banken und sonstigen Fremdkapitalgebern eine Angelegenheit des Franchisenehmers, in die sich der Franchisegeber nicht einmischen wird. Letztlich muss der Franchisenehmer nur sicherstellen, dass sein Unternehmen mit der notwendigen Liquidität ausgestattet ist, um den Franchisevertrag zu erfüllen. Viele Franchisesysteme lassen dem Franchisenehmer außerdem beim Marketing im Zusammenhang mit dem Systembetrieb (Local Store Marketing) einen größeren Entscheidungsspielraum. Selbstverständlich darf nicht jeder Systembetrieb eine eigene Werbekampagne entwerfen, weil dadurch letztlich die Marke verwässert oder gar zerstört werden könnte. Gute Franchisesysteme bieten den Franchisenehmern indes ein größeres Portfolio aus unterschiedlichen Werbe- und Marketingmöglichkeiten, aus denen er auswählen kann. Es kann im Übrigen auch für die Betriebsausstattung gelten, die in vielen Franchisesystemen modular angelegt ist, sodass der Franchisenehmer bei der Gestaltung seines Systembetriebes aus den Modulen auswählen und diese gegebenenfalls miteinander kombinieren kann. In vielen Franchisesystemen hat der Franchisenehmer außerdem maßgeblichen Einfluss auf das von ihm vor Ort geführte Sortiment. Selbstverständlich ist in fast allen Fällen ein Kernsortiment ohne Abweichungen einzukaufen und zu vermarkten. Darüber hinaus kann der Franchisenehmer aus einem Zusatz- oder Ergänzungssortiment diejenigen Produkte auswählen, die er führen möchte bzw. denen er in seinem Marktumfeld die größten Chancen einräumt. Auf diese Weise können beispielsweise regionale Produkte geführt werden, um auf die Bedürfnisse der Kunden vor Ort einzugehen. Viele Franchisesysteme lassen zudem eine Karriere im Franchisesystem zu. Dies kann beispielsweise bedeuten, dass der Franchisenehmer einen zweiten und danach weitere Systembetriebe errichten und führen kann. Der Franchisenehmer kann auf diese Weise zu einem Filialisten werden, der einen regionalen Filialcluster führt. Zu diesem Zweck muss der Franchisenehmer eigene Filialleiter einstellen, trainieren, führen und anleiten. Die Tätigkeit wandelt sich dann zunehmend von einer Arbeit im Unternehmen zu einer Tätigkeit am Unternehmen. Die damit verbundenen Investitionen und Fragen der Standortwahl gewähren dem Franchisenehmer eine sehr weitreichende unternehmerische Freiheit, von der andere Selbstständige, die weniger erfolgreich sind, nur träumen können. Jetzt unter www.franchise-erfolge.de kostenlos online lesen oder downloaden! No 103 20. Jahrgang Juli–Okt. 2022 Deutschland 3,90 € Österreich 4,50 € Ausgabe unter www.franchise-erfolge.de kostenlos downloaden! Frauenpower 70 Jahre

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