franchiseERFOLGE - Nov.22 bis Feb.23

12 franchiseEXPERTEN. Grundsätzliches zum Leasing Seit Jahrzehnten ist Leasing bei der Finanzierung des Anlagevermögens als Sonderfinanzierungsform und Alternative zur üblichen Finanzierung weit verbreitet. Maschinen und technische Anlagen, IT-Equipment, Gastronomieausstattung, Medizintechnik und natürlich Fahrzeuge aller Art. Inzwischen gibt es kaum ein Wirtschaftsgut, das sich nicht per Leasing anschaffen lässt. Grundvoraussetzung für eine Leasinglösung ist immer, dass das Wirtschaftsgut drittverwendungsfähig ist. Das bedeutet, dass das Leasingobjekt nicht nur speziell vom Leasingnehmer sinnvoll genutzt werden kann, sondern generell von einem größeren Nutzerkreis. Leasing ist in vielen Fällen lohnenswert. Bei der Entscheidungsfindung reicht es aber nicht, nur auf die monatliche Leasingrate zu schauen. Es bietet sich an, wenn für weitere Finanzierungen mit mittel- und langfristigen Laufzeiten keine entsprechenden Sicherheiten vorhanden sind. Mit einer Vergleichsrechnung sollten die gesamten Kapitalkosten des Leasingvertrages dem entsprechenden Kreditvertrag gegenüber gestellt werden, auch unter Berücksichtigung steuerlicher Aspekte. Leasinggesellschaften sind häufig Tochtergesellschaften von Finanzinstitutionen und müssen sich die finanziellen Mittel selbst beschaffen. Das verteuert die Kalkulation. Dagegen sind beim Herstellerleasing oft vorteilhaftere Leasingkonditionen zu bekommen. Leasing kann auch bei Gründungsvorhaben von Vorteil sein, wenn keine entsprechenden Sicherheiten angeboten werden können. Allerdings ist auch hier eine Bonitätsprüfung obligatorisch. Der Leasinggeber prüft grundsätzlich, ob Sie über die gesamte Vertragslaufzeit in der Lage sein werden, die Zahlungsverpflichtungen zur erfüllen. Das kann dazu führen, dass eine höhere Sonderzahlung bei Vertragsbeginn verlangt wird oder eine Bankbürgschaft hinterlegt werden muss. Bei Franchisegründungen ergibt sich ein Vorteil aus der Drittverwendung, der oft nicht beachtet wird, aber logisch ist. Auch in Franchisesystemen ergeben sich hin und wieder Situationen, in denen ein Franchisebetrieb geschlossen werden muss. Ob das ein Betrieb der Systemgastronomie, aus dem Handwerk oder ein Fitness-Studio ist, die Geräte und die zum Teil spezielle Betriebseinrichtung muss wirtschaftlich bestmöglich verwertet werden. Da sich Franchisesysteme aber stets in der Expansion befinden, besteht die Chance, genau diese Leasinggüter in einem anderen Standort zu platzieren. Bei allem gilt die Faustregel: Die Leasingdauer darf nicht länger sein als die Nutzungsdauer des geleasten Wirtschaftsgutes – aber das ist bei klassischen Finanzierungen genauso der Fall. Leasingraten sind Fixkosten und können über die gesamte Laufzeit vollständig als Betriebsausgabe geltend gemacht werden, ebenso die laufenden zurechenbaren Kosten für Versicherung, Wartung und Reparaturen. Für einen Kredit zahlen Sie ebenfalls eine gleichbleibende Rate, die aber aus Zinsen und Tilgung besteht. Das Verhältnis beider Bestandteile verändert sich jedoch während der Laufzeit zueinander. Am Beginn eines Annuitätendarlehens sind in der Rate fast nur Zinsen enthalten, gegen Ende fast nur noch Tilgung. Aber nur der Zinsanteil zählt als Betriebsausgabe und ist damit steuerlich wirksam, während die Tilgung aus dem Gewinn nach Steuern gezahlt wird. Bei der Entscheidung, ob Leasing oder klassische Kreditfinanzierung besser ist, sollten daher nicht nur die Konditionen verglichen werden, sondern auch die wirtschaftliche Perspektive des Unternehmens einschließlich der sich daraus ergebenen steuerlichen Konsequenzen. In der Praxis sind Leasingverträge fast ausnahmslos so gestaltet, dass der Leasinggeber als wirtschaftlicher Eigentümer gilt und das jeweilige Wirtschaftsgut bei ihm in der Bilanz erfasst wird. Dadurch können Sie keine Abschreibungen geltend machen, was in einer Gewinnsituation natürlich die Steuerlast mindern würde. Wenn es um die Reduzierung der Steuerlast geht, entwickelt der Eine oder Andere ohnehin oft erstaunliche Kreativität – und gerade bei Leasingverträgen von Kraftfahrzeugen ist die Versuchung groß. Da wird ein Vertrag mit hohen Leasingraten abgeschlossen, der gleichzeitig eine Kaufoption am Ende der Vertragslaufzeit enthält. Diese Kaufoption wird dann vom Ehepartner ausgeübt, oder bei einer GmbH von einem Gesellschafter. Das ist nicht korrekt und spätestens bei einer Betriebsprüfung präsentiert Ihnen das Finanzamt eine entsprechende Nachforderung. Leasingvarianten Wenn Leasing bei einer Investitionsentscheidung als Alternative in Betracht kommt, muss im nächsten Schritt geklärt werden, welche Leasingvariante am sinnvollsten ist. Es beginnt mit der Frage, ob Vollamortisation oder Teilamortisation wirtschaftlicher ist. Vollamortisation bedeutet, dass das Leasinggut im Rahmen des Vertrages seine völlige Abschreibung erreicht . Im Gegensatz dazu bleibt im Rahmen der Teilamortisation zum Ende des Vertrages noch ein bilanzieller Restwert . Ein Vollamortisationsvertrag hat eine feste, unkündbare Vertragslaufzeit. Die während der Laufzeit geleisteten Leasingzahlungen führen zur Vollamortisation beim Leasinggeber. Am Ende der VertragsLeasing als Finanzierungsalternative „Rent a Steak“ – ein solches Gastronomiekonzept gegen steigenden Fleischkonsum würde vermutlich sogar eingefleischte Veganer begeistern. Leider gibt es nennenswerte logische Gründe, die gegen eine Realisierung dieser Idee sprechen, obwohl es inzwischen fast alles zu mieten gibt. Neben der Möglichkeit etwas zu mieten, gibt es noch das Leasing in all seinen Varianten und ist für Selbstständige immer eine Überlegung wert. Seit 1988 berät Reinhard Wingral rund 300 Franchiseprojekte verantwortet und über 1.200 Gründungen begleitet. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Wingral & Partner Unternehmensberatung für Franchising und Innovation und Vorstandsvorsitzender der Global Franchise AG, die Beteiligungen an Franchiseunternehmen hält und das Systemmanagement junger Systeme führt. Einige grundlegende Innovationen für die Franchisewirtschaft stammen von ihm, u.a: •  Initiator und geschäftsführender Gesellschafter der ersten Beteiligungsgesellschaft, die sich mit Risikokapital an Franchise-systemen beteiligt •  Entwicklung und Realisierung des Berufsbildes „Franchise Management IHK“ •  Begleitung von EU-Projekten zur Etablierung des Franchise in den baltischen Staaten Reinhard Wingral ist Mitglied in der International Lawyers Association (IFLA), im Business Angel Netzwerk Deutschland (BAND), akkreditierter Berater bei der Bürgengemeinschaft Hamburg und weiterer wirtschaftsnahen Organisationen. Kontakt: r.wingral@wingral.de Der Autor

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