franchiseERFOLGE - Nov.22 bis Feb.23

15 Die Einheitlichkeit des Marktauftritts kann nicht allein durch ein einheitliches äußeres Erscheinungsbild erreicht werden. Zum Corporate Design muss auch Corporate Behaviour hinzukommen. Dementsprechend stellt ein Franchisesystem sicher, dass die Mitarbeiter des Franchisenehmers gegenüber den Kunden möglichst einheitlich auftreten. Dies wird hauptsächlich durch ein entsprechendes Training bewerkstelligt, wobei der Franchisenehmer die Teilnahme seiner Mitarbeiter auf eigene Kosten sicherstellen muss. Hinzukommt, dass der Franchisenehmer auch dahingehend vertraglich gebunden wird, dass er sicherstellen muss, dass seine Mitarbeiter die von dem Franchisegeber aufgestellten Regeln beachten. Wenn das Franchisekonzept eine Dienstleistung betrifft, geht die Bindung in dem Bereich häufig noch weiter. Denn der Franchisegeber muss sicherstellen, dass die unter seiner Marke angebotene Dienstleistung an sämtlichen Standorten eine identische Qualität hat. Weil die Dienstleistung durch Menschen erbracht wird, die im Ausgangspunkt unterschiedlich qualifiziert sein können, kann und muss dies durch Training, Kontrollen und Sanktionen bewerkstelligt werden. Franchisesysteme, die in diesem Marktsegment tätig sind, verfügen häufig über einen besonders hohen Bindungsgrad. Dies gilt insbesondere für die Systemgastronomie, bei der das Leben und die Gesundheit der Kunden von der Einhaltung der Richtlinien abhängen kann. Franchisenehmer sollten den weitreichenden Bindungsgrad in diesem Fall nicht als Last verstehen. Denn wenn einzelne andere Franchisenehmer gegen die Richtlinien verstoßen und es beispielsweise zu Lebensmittelvergiftungen kommt, steht der Ruf der Marke und damit die wirtschaftliche Existenz sämtlicher Franchisenehmer des Systems auf dem Spiel. Deshalb ist jeder einzelne Franchisenehmer darauf angewiesen, dass der Franchisegeber mit Nachdruck sicherstellt, dass die Richtlinien an jedem Standort eingehalten werden. Ein Franchisesystem, dass dies nicht durch einen weitreichenden Bindungsgrad sichergestellt hat, ist auf Sand gebaut. Unternehmerische Freiheiten des Franchisenehmers Trotz der Bindung an eine Reihe vertraglicher Vorgaben sind Franchisenehmer echte Unternehmer, die über ein ausreichendes Maß unternehmerischer Freiheit verfügen. Auch hier gilt, dass dies von Franchisesystem zu Franchisesystem unterschiedlich ist. Denn im Grunde besteht überall dort unternehmerische Freiheit, wo eine Bindung an Vorgaben und Richtlinien nicht vorgesehen ist. In fast jedem Franchisesystem steht dem Franchisenehmer die Personalhoheit uneingeschränkt zu. Er entscheidet allein, mit welchen Mitarbeitern er den Systembetrieb führt. Das Direktionsrecht eines Arbeitgebers steht dem Franchisenehmer uneingeschränkt zu. Dies beginnt bei der Einstellung und Gestaltung der Arbeitsverträge, geht über seine Verantwortung für die Dienstpläne und reicht bis zur Beendigung von Arbeitsverhältnissen. Des Weiteren sind die Vertragsbeziehungen zu Banken und sonstigen Fremdkapitalgebern eine Angelegenheit des Franchisenehmers, in die sich der Franchisegeber nicht einmischen wird. Letztlich muss der Franchisenehmer nur sicherstellen, dass sein Unternehmen mit der notwendigen Liquidität ausgestattet ist, um den Franchisevertrag zu erfüllen. Viele Franchisesysteme lassen dem Franchisenehmer außerdem beim Marketing im Zusammenhang mit dem Systembetrieb (Local Store Marketing) einen größeren Entscheidungsspielraum. Selbstverständlich darf nicht jeder Systembetrieb eine eigene Werbekampagne entwerfen, weil dadurch letztlich die Marke verwässert oder gar zerstört werden könnte. Gute Franchisesysteme bieten den Franchisenehmern indes ein größeres Portfolio aus unterschiedlichen Werbe- und Marketingmöglichkeiten, aus denen er auswählen kann. Es kann im Übrigen auch für die Betriebsausstattung gelten, die in vielen Franchisesystemen modular angelegt ist, sodass der Franchisenehmer bei der Gestaltung seines Systembetriebes aus den Modulen auswählen und diese gegebenenfalls miteinander kombinieren kann. In vielen Franchisesystemen hat der Franchisenehmer außerdem maßgeblichen Einfluss auf das von ihm vor Ort geführte Sortiment. Selbstverständlich ist in fast allen Fällen ein Kernsortiment ohne Abweichungen einzukaufen und zu vermarkten. Darüber hinaus kann der Franchisenehmer aus einem Zusatz- oder Ergänzungssortiment diejenigen Produkte auswählen, die er führen möchte bzw. denen er in seinem Marktumfeld die größten Chancen einräumt. Auf diese Weise können beispielsweise regionale Produkte geführt werden, um auf die Bedürfnisse der Kunden vor Ort einzugehen. Viele Franchisesysteme lassen zudem eine Karriere im Franchisesystem zu. Dies kann beispielsweise bedeuten, dass der Franchisenehmer einen zweiten und danach weitere Systembetriebe errichten und führen kann. Der Franchisenehmer kann auf diese Weise zu einem Filialisten werden, der einen regionalen Filialcluster führt. Zu diesem Zweck muss der Franchisenehmer eigene Filialleiter einstellen, trainieren, führen und anleiten. Die Tätigkeit wandelt sich dann zunehmend von einer Arbeit im Unternehmen zu einer Tätigkeit am Unternehmen. Die damit verbundenen Investitionen und Fragen der Standortwahl gewähren dem Franchisenehmer eine sehr weitreichende unternehmerische Freiheit, von der andere Selbstständige, die weniger erfolgreich sind, nur träumen können. Jetzt unter www.franchise-erfolge.de kostenlos online lesen oder downloaden! No 103 20. Jahrgang Juli–Okt. 2022 Deutschland 3,90 € Österreich 4,50 € Ausgabe unter www.franchise-erfolge.de kostenlos downloaden! Frauenpower 70 Jahre

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