franchiseERFOLGE Ausgabe Aug./Sept. 2017

12 franchise WISSEN . franchise ERFOLGE: Welche Idee steckt hinter Partnerurteil? Felix Peckert: Ganz einfach: Wir lassen die Partner selbst zuWort kommen. Für Franchise- interessenten ist es von großem Interesse zu wissen, wie zufrieden die Franchisepartner eines Systems sind. Sie erhalten mit dem Part- nerurteil-Gütesiegel einen verlässlichen und belastbaren Eindruck. Es dient ihnen damit als eine wertvolle Orientierungs- und vielleicht sogar Entscheidungshilfe. Franchisegebern bietet Partnerurteil zudem die Chance, mehr Transparenz zu zeigen. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es etwa 200 Ar- beitgeber-Siegel – von „Great Place to Work“ bis „Deutschlands beste Arbeitgeber“. Auch Franchisesysteme, die neue Partner suchen, bewegen sich auf dem Arbeitsmarkt. Für sie ist es aber vergleichsweise schwer, sich her- vorzutun. Das soll Partnerurteil ändern. franchise ERFOLGE: Wofür vergeben Sie das Gütesiegel? Thorsten Semrau: Grundsätzlich zeichnen wir Franchisesysteme aus, deren Franchise- partner in den drei Kategorien Arbeitszufrie- denheit, Lebensglück und Commitment im Durchschnitt mindestens durchschnittliche Bewertungen abgegeben haben. Unser Maß- stab sind aber nicht andere Franchisesysteme. Wir vergleichen die Antworten der Franchise- partner vielmehr mit denen von Arbeitnehmern in Deutschland. Felix Peckert: Vier Sterne werden vergeben, wenn die Franchisepartner imMittel mindes- tens so zufrieden sind, wie der Durchschnitt der Arbeitnehmer. Fünf Sterne bedeuten, dass die Franchise- partner überdurchschnittlich zufrieden sind. Und für die absoluten „Überflieger“ mit deutlich überdurchschnittli- chen Bewertungen gibt es die Zusatzkategorie „5 Sterne plus“. Die Franchisepartner eines sol- chen Systems sind dann im Durchschnitt so zufrieden wie die zufriedensten 16 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland. franchise ERFOLGE: Warum befragen Sie Franchisepartner und vergleichen sie mit Ar- beitnehmern? Felix Peckert: Sicherlich kann man auch Ex- perten befragen, was ein empfehlenswertes Franchisesystem ist. Wir halten ein solches Vorgehen jedoch nur für bedingt aussage- kräftig oder belastbar. Deshalb greifen wir auf die Einschätzung von Franchisepartnern im Vergleich zu externen Benchmarks zurück, mit denen wir die Befragungsergebnisse der Franchisepartner eines Systems vergleichen. Bei Partnerurteil sind das die Zufriedenheits- werte von Arbeitnehmern aus repräsentativen Befragungen wie dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP). Thorsten Semrau: Wir möchten erreichen, dass sowohl die Franchisesysteme selbst als auch potenzielle Franchisepartner die Ergebnisse möglichst gut einordnen können. Die Bewertung anhand der Gesamtheit der Arbeitnehmer erschien uns deshalb ange- bracht, weil dem Einzelnen ja als Alternati- ve zur Franchisepartnerschaft eine Vielfalt an Möglichkeiten, wie z. B. die abhängige Beschäftigung oder die Gründung eines ganz unabhängigen Unternehmens offen stehen. franchise ERFOLGE: Wie funktioniert das in der Praxis? Thorsten Semrau: Für Partnerurteil greifen wir auf Fragen zurück, die bereits in wissen- schaftlichen Studien verwendet werden. Da- mit sichern wir nicht nur die Qualität unseres Fragebogens, sondern ermöglichen vor allem die gewünschte Vergleichbarkeit. Felix Peckert: Außerdem haben wir uns selbst strengen Grundsätzen verpflichtet und arbei- ten nach klaren Standards. So werden stets alle Franchisepartner eines Systems zur Befragung einge- laden. Ausgenommen werden lediglich jene, die aus dem System ausscheiden werden oder mit denen es rechtliche Auseinandersetzungen gibt. Wir gewähren den befragten Franchisepartnern völlige An- onymität und verlangen eine Rücklaufquote von mindestens 50 Prozent, die übrigens in der Realität schnell 70 bis 80 Prozent erreicht. franchise ERFOLGE: Welche Rolle spielt die Zufriedenheit von Franchisepartnern? Thorsten Semrau: In der Forschung haben Studien zu Arbeitszufriedenheit und Commit- ment eine lange Tradition. Die Zufriedenheit wird sowohl von individuellen Faktoren als auch durchMerkmale der Arbeitssituation und -tätigkeit beeinflusst. Aus Studien mit abhän- gig Beschäftigten wissen wir: Wer mit seiner Arbeit zufrieden ist, zeigt ein höheres Commit- ment und eine höhere Leistungsbereitschaft. Wir nehmen an, dass das grundsätzlich auch Gütesiegel Partnerurteil: Wie glücklich und zufrieden Franchisepartner sind Welches Franchisesystem passt zu mir? Und wie kann ich herausfinden, ob ein Franchisesystem „gut“ ist? Früher oder später beschäftigt sich jeder angehende Franchisepartner mit diesen Fragen. Das Gütesiegel Partnerurteil bietet jetzt eine zusätzliche Orientierungshilfe. Es gibt Aufschluss, wie glücklich und zufrieden die Franchisepartner eines Systems sind. Franchiseexperte und Unternehmensberater Felix Peckert und Prof. Dr. Thorsten Semrau, Professor für Manage- ment an der Universität Trier, erklären im Interview, was es damit auf sich hat. Felix Peckert gilt als einer der renommiertesten Franchiseexperten in Deutschland. Seit 1988 be- rät er Unternehmen beim Auf- und Ausbau, der Kommunikation und der Expansion ihrer Filial-, Lizenz- und Franchisesysteme. Der Diplom-Volks- wirt ist u. a. Gründer des Instituts für Markenfran- chise, das sich mit den Erfolgsfaktoren von Fran- chise beschäftigt. Thorsten Semrau ist Professor für Management an der Universität Trier. In Forschung und Lehre befasst sich Thorsten Semrau insbesondere mit Fragen aus den Bereichen Organisation und Un- ternehmensentwicklung. In diesem Rahmen hat er bereits mehrere Forschungsprojekte zu Moti- vation und Erfolg von Franchisenehmern durch- geführt.

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