franchiseERFOLGE Ausgabe Aug./Sept. 2018

10 franchise EXPERTEN . Wachstum allein erzeugt noch keinen Shareholder-Value. Der entsteht nur durch Ertrag und auch die Unternehmensgröße ist kein Bestimmungsfaktor für Wachstum. Der seit Jahren bereits auf niedrigem Niveau dümpelnde Aktienkurs der Deutschen Bank ist in den letzten zwölf Monaten nochmals um über 37 Prozent gesunken – als Aktionär macht mich das übellaunig. Große Freude als Aktionär empfinde ich dagegen bei der VITA 34 International AG, die ich vor einigen Jahren zu Expansionsfragen beraten habe. Dort ist der Aktienkurs in den letzten zwölf Monaten um rund 130 Prozent gestiegen, die Aktie ist inzwischen erheblich teurer als die der Deutschen Bank. Ein großer Player im Abwrackmodus im Vergleich zu einem dynamischen Unternehmen mit Zukunft. Ein Unternehmen kann auf viele Arten wachsen, sowohl quantitativ als auch qua- litativ. Das kann durch internes Größerwer- den in Bezug auf Umsatz, Bilanzvolumen und Zahl der Mitarbeiter oder durch den Zukauf von Unternehmensanteilen gesche- hen. Sich nicht am Umsatz, sondern am Er- trag zu orientieren heisst Wachstum stets aktiv zu betreiben statt kurzlebigen Trends hinterherzulaufen. Mitbewerber oder Zulie- ferer aufkaufen, das Vertriebsnetz verdich- ten oder sich auf ausländischen Märkten etablieren, bedeutet quantitatives Wachs- tum. Den Kundenkreis insgesamt durch Pro- duktinnovationen und strategisch sinnvolle Angebotserweiterungen zu vergrößern, bestehende Produkte rundum zu verbes- sern, effizienter zu produzieren oder durch ergänzende Serviceleistungen die Erträge zu erhöhen, ist qualitatives Wachstum. Die Beachtung einiger allgemein gültiger Regeln sind wichtig, um das Unternehmen kontrolliert wachsen zu lassen. Die Organi- sation ist entscheidend, ob das Unterneh- men überhaupt wachsen kann. Sie muss flexibel bleiben, denn die Markterforder- nisse ändern sich immer wieder. Erschwert die Organisation die Anpassung an immer neue Kundenbedürfnisse, verhindert sie damit die positive Entwicklung. Neue Ideen sollten im Kleinen getestet werden, bevor große Investitionen getätigt werden, die langfristig Kapital binden. Wer es schafft, günstiger zu produzieren, ist im Vorteil, weil schlicht und ergreifend weniger Kosten ent- stehen und vorfinanziert werden müssen. Die Qualität darf dabei jedoch nicht unter die von den Kunden erwarteten Standards abfallen. Wenn die Arbeitsprozesse effektiv gestaltet sind, geht der nächste Blick zum Vertrieb. Von der Optimierung des Vertriebs leben Heerscharen von Trainern und einige machen sogar einen ganz guten Job. Aber allein schnelle Umsatzsteigerungen greifen als Unternehmensstrategie zu kurz. Wer auf Dauer wachsen will, muss sein Unter- nehmen insgesamt organisatorisch darauf ausrichten, geeignete Strukturen schaffen und Vertriebskanäle optimieren. Empfehlungen und Regeln für das Unternehmenswachstum Heute mit einer Geschäftsidee als Einzelunternehmer starten, morgen Beteiligungskapital einsam- meln, ab übermorgen Marktführer sein und nebenbei an die Börse gehen. Ich weiss nicht, welche verbotenen Substanzen man rauchen muss, um zu glauben dass Unternehmenswachstum so einfach funktioniert. Wachstum kann zwar beschleunigt werden, aber nicht unendlich. Aber warum soll ein Unternehmen überhaupt wachsen? Und was muss dabei beachtet werden? Foto: © lovelyday12/shutterstock.com

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