franchiseERFOLGE - Dez. 2020-Feb. 2021

18 Viele Franchisegeber haben ihre Franchise- partner bei nicht-nachvollziehbaren gesetz- lichen Regelungen in ihrem Kampf gegen Behördenentscheidungen unterstützt oder sind für eine frühere Eröffnung der Franchi- sestandorte vor Gericht gezogen. Vor al- lem aber sind in vielen Franchisesystemen Franchisegeber und Franchisepartner noch enger zusammengerückt und haben Lösun- gen für die Endkunden erarbeitet, damit die Verbindung zu ihnen auch über die Zeit der Schließung und all der das Kundenerlebnis schmälernden Einschränkungen von Ab- standshaltern, Plexiglasscheiben, Mund- schutz, Desinfektion usw. erhalten bleibt. In der Corona-Krise zeigte sich die Fran- chisewirtschaft von ihrer besten Seite! Mit Gänsehaut fühlte ich mich bestätigt, wie einzigartig und attraktiv das Organisations- modell Franchise für Unternehmer ist. Was manchmal nur wie Franchise-Werbespruch – „selbständig, aber nicht allein“ – klingt, jetzt in der Krise wurden die Vorteile der Verknüpfung einer starken Franchisezent- rale mit der unternehmerischen Power der Franchisepartner vor Ort in vollem Umfang spürbar. Da liegt es nahe zu fragen, wie die Fran- chisewirtschaft diesen in der Corona-Krise deutlich sichtbar gewordenen Unterneh- mer-im-Netzwerk-Spirit, diese besondere Attraktivität mittelständischen Unterneh- mertums auch in Post-Krisenzeiten zeigen und weiterentwickeln kann​.​ Und das so- wohl unter Berücksichtigung derjenigen Franchisesysteme, die bislang von der Kri- se profitiert haben als auch unter Berück- sichtigung derjenigen Franchisepartner oder auch kompletter Franchisesysteme, die unter wirtschaftlichen Existenznöten leiden und teilweise auch aufgeben müs- sen. Nicht, weil sie in der Vergangenheit ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten und die Krise diesen Mangel nun sichtbar machen würde, oder weil es ihnen wäh- rend der Krise an Kreativität fehlte – das mag vereinzelt der Fall sein – sondern weil sie einfach das für diese Krise falsche Ge- schäftsmodell haben. Die Regel im bishe- rigen Verlauf der Corona-Krise war, dass nicht zuerst unternehmerisches Geschick und Mut über den Erfolg eines Unterneh- mens entschieden, sondern schlicht der Zufall. Anregung 1: Mehr Kooperation wagen Nach meiner Wahrnehmung hat der weit- aus größte Teil aller Franchisesysteme auf der Kooperationsebene zwischen Franchi- segeber und Franchisenehmern in der Coro- na-Krise klar denjenigen Vorteil ausspielen können, den dieses Organisationsmodell bietet: Die Power einer Franchisezentrale in Sachen Koordination, Innovation, Prozes- se, Informationsrecherche, Kommunikation usw. zu verknüpfen mit der unternehmeri- schen Power der Franchisepartner und ihrer engen Beziehung zu den Kunden vor Ort. In Normalzeiten ist dieser Vorteil manchmal schwer rüberzubringen. Jetzt wurde er of- fensichtlich. Auf der Ebene der Franchisegeber unter- einander fand mehr Austausch und kon- krete Kooperation als sonst statt: Von den Werbekampagnen einiger System­ gastronomen, die ihre Wettbewerber hu- morvoll-wertschätzend mit einbezogen bis hin zu einem regional abgestimmten Vorgehen hinsichtlich der schon eingangs erwähnten Behördenentscheidungen. Zur Förderung der Kommunikation zwischen Franchisegebern und ihren Mitarbeitern in den Systemzentralen haben Volker Güntzel, Sieben Anregungen wie die Franchisewirtschaft im Jahr 2021 noch attraktiver wird als sie es bisher in der Corona-Krise war Während der Corona-Krise haben viele, viele Franchisegeber und ihre Mitarbeiter in den System- zentralen sich extrem für ihre Franchisepartner engagiert – obwohl die laufenden Franchisege- bühren deutlich niedriger aus- oder ganz wegfielen oder sogar freiwillig auf Lizenzeinnahmen verzichtet wurde; obwohl viele Mitarbeiter in den Systemzentralen in Kurzarbeit waren; obwohl natürlich auch die Franchisezentralen gegenüber der ökonomischen Wucht der Corona-Krise zunächst genauso ratlos dastanden wie alle Anderen auch. franchiseWISSEN.

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