franchiseERFOLGE - Dez. 2020-Feb. 2021

19 Franchiseanwalt bei Busse & Miessen, Steffen Kessler vom FranchisePORTAL und wir FranchiseMacher gleich zu Beginn der Corona-Krise einen Online-Erfahrungs- austausch ins Leben gerufen. Dieser hatte das Ziel, sich gegenseitig Orientierung zu geben bei Themen wie Kurzarbeit, staatli- che Förderungen, Sonder-Finanzierungen, Hygienekonzepte, Franchisegebühren usw. Für teilweise über 40 Franchisegeber war das ein interessantes Angebot in heißen Zeiten. Das Krisenpräventions-Potenzial auf der Ebene einer Kooperation von Franchise- partnern unterschiedlicher Systeme in ihrer jeweiligen Region ist noch weitge- hend unentdeckt. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass die Ende März gegrün- dete Bundesvereinigung der Franchise- wirtschaft ( www.bfw-franchise.eu ) auch diese Kooperationsebene im Blick hat. Die BFW ist offen für alle Franchiseneh- mer, Franchisegeber und Dienstleister und möchte den Dialog und den Aufbau wert- voller Geschäftsbeziehungen zwischen allen Akteuren in der Franchisewirtschaft fördern. Anregung 2: Mehr Daten erheben – mehr Stärke zeigen Vor einiger Zeit fragte mich ein Lokalpoliti- ker, wieviele Franchisebetriebe es denn in seinem Landkreis gäbe. Es war mir peinlich, dass ich darauf keine Antwort fand. Die gängigen Statistiken beziehen sich auf ganz Deutschland. Konkrete Rückschlüsse auf eine konkrete regionale Einheit sind damit nicht machbar. Wie soll man so glaubhaft argumentieren, dass Franchisebetriebe eine bedeutende Rolle in der regionalen und lo- kalen Wirtschaft einnehmen? Ohne mehr und an der Basis erhobene Daten wird die Franchisewirtschaft ihre bedeutende Rolle in der Welt des Mittelstands nicht zeigen können. Anregung 3: Geschäftsmodelle schneller innovieren Wenn Geschäftsstandorte auch nach der Corona-Krise erkennbar langfristig nur noch 70 Prozent, 60 Prozent oder noch weniger Umsatz machen als das vor der Krise der Fall war, dann ist das kein Geschäftsmodell mehr. Im Grunde genommen sind manche Unter- nehmer nach der Corona-Krise wieder auf null gestellt. Sie müssen ihr Geschäft völlig neu erfinden. Viele Unternehmer mit einst erfolgreichen Geschäftsmodellen sehen sich jetzt vor die Wahl gestellt, entweder einfach aufzuhören und sich erst einmal ins Private zurückzuziehen oder wieder zu Gründern wie einst zu werden, neue Risiken einzugehen und frisches Geld in die Hand zu nehmen und auf „Neustart“ zu drücken. Eine echte Mammutaufgabe gerade auch für betroffene Franchisegeber! Selbst wenn diese Krise für sie glimpflich vorüber- geht, könnte es sinnvoll sein, kontinuierli- che Innovationsprozesse noch stärker im Geschäftsalltag zu verankern. Die nächste Krise kommt bestimmt. Anregung 4: Multi-Brand fördern Für weite Teile der Franchisewirtschaft ist es noch immer ein irritierender Gedanke, dass ein Franchisenehmer Partner mehrerer Franchisemarken sein kann. Dabei wäre das doch – am besten noch mit auf mehrere Branchen verteilten Partnerschaften – eine das unternehmerische Risiko mindernde Strategie. Ob Franchisegeber diese bei ihren Top-Partnern künftig sogar fördern sollten? Anregung 5: Krankheit, Unfall und Altersversorge Weder Krankheit noch Unfall sind attraktive Ereignisse, und das Alter, nun ja, mag jeder selbst es entscheiden. Attraktiv hingegen ist, wenn wir uns auf solche möglichen Er- eignisse und vorhersehbaren Lebenssituati- onen intelligent vorbereiten. Insbesondere als Unternehmer mit einem von uns erwar- teten Höchstmaß an Eigenverantwortung. Intelligent heißt in diesem Fall, Vorberei- tung nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen Unternehmern. „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“. Dieses inzwischen über 200 Jahre alte Zitat von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Mitbegründer des Genossenschaftswesen, klingt hinsicht- lich des Netzwerksgedankens auch in vielen Franchisesystemen seltsam vertraut. Und doch wird dieser Gedanke von ihnen bis- lang extrem selten auf den Bereich Krank- heit, Unfall und Altersvorsorge übertragen. Vielleicht könnte Corona hierfür ein wichti- ger Impuls werden. Anregung 6: Alternative Wachstums-Finanzierungen Nach meiner Wahrnehmung interessieren sich private Investoren insbesondere auf- grund der Negativzins-Situation mehr und mehr für Investments in Unternehmen jen- seits der Börse direkt in den Mittelstand. Diese Situation hat die Corona-Krise noch verstärkt. Franchisegeber und Franchise- partner mit Investitionsbedarf könnten deshalb künftig mehr Finanzierungswege zur Verfügung stehen. Anregung 7: Flagge zeigen – Weitermachen Flagge zeigen, weitermachen und stets für Kunden und Geschäftspartner da sein. Das war ein Grundverständnis vieler Fran- chisegeber und Franchisenehmer wäh- rend der Corona-Krise. Wir haben das in unserer Unternehmensberatung auch so gehandhabt: Youtube-Kanal gefüllt, On- line-Akademie aufgebaut, Kooperationen mit geplanten Veranstaltungen durchge- zogen. Zum Beispiel beim Benchmarkday ( www.benchmarkday.de ) , der im Okto- ber als hybride Veranstaltung – also mit online-Teilnehmern und Teilnehmern vor Ort – bei der Cronbank in Dreieich stattfand sowie der von der Bundesver- einigung der Franchisewirtschaft (BFW) bei der Gründermesse deGUT in Berlin – ebenfalls im Oktober – organisierte Ge- meinschaftsstand mit 13 Franchisemar- ken. Flagge zeigen, weitermachen keine besonders originelle Anregung, aber ich vermute, sie wird dennoch in 2021 für viele Franchisesysteme ein wichtiger Kompass bleiben. Fazit In Franchisesystemen arbeiten Unterneh- mer hart und riskieren etwas, um ihren Traum vom Leben zu verwirklichen. Als Un- ternehmer schauen sie nicht danach, was Andere oder der Staat für sie tun kann. Sie helfen sich selbst. Und sie unterstützen sich untereinander, sei es innerhalb ihres Systems oder sogar über die Grenzen des eigenen Systems hinaus. Ich bin sehr opti- mistisch, dass die Franchisewirtschaft trotz oder gerade wegen Corona im Jahr 2021 noch attraktiver wird. y Die FranchiseMacher sind eine Unternehmensberatung speziell für Franchisegeber mit inzwischen vier selbständigen Beraterinnen und Beratern. Sie unterstützen Franchise- geber umsetzungsorientiert bei allen Herausforderungen des Systemaufbaus, der Part- nergewinnung und des Partnermanagements. Die FranchiseMacher sind überzeugt, dass viele Geschäftsmodelle es verdient haben, größer zu werden, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Ihr Slogan paßt dazu: „Wertvolles fairlässlich skalieren“. Gegrün- det wurden die Unternehmensberatung von Jana Jabs und Eugen Marquard im Jahr 2011 nach 10-jähriger Tätigkeit für einen Franchisegeber im Dienstleistungsbereich. Derzeit entwickelt das FranchiseMacher-Team insbesondere seine Online-Akademie kontinuier- lich weiter, damit Franchisegebern das in Trainings und Projekten vermittelte Know-how ergänzend und vertiefend jederzeit zur Verfügung steht. Fotos: © Die FranchiseMacher

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