franchiseERFOLGE - Dez. 2020-Feb. 2021

6 franchiseEXPERTEN. Beratungsleistungen einmal ganz grundsätzlich betrachtet Märkte verändern sich tiefgreifend und im- mer schneller, der Innovationsdruck wird größer, Infrastrukturen in den Unternehmen werden digitaler. Alles typische Herausfor- derungen, die Unterstützung durch Unter- nehmensberater zu suchen – und in Krisen- zeiten wie 2020 müssen zudem Lösungen gefunden werden, die Reise auf stürmischer See möglichst schadlos zu überstehen. Aber auch der Markt für Unternehmensberatun- gen hat sich in den letzten Jahren gravie- rend verändert. Die Erstellung von voll- mundig akquirierten Konzepten reicht nicht mehr, Auftraggeber erwarten die unterneh- mensbezogene Begleitung bei der Realisie- rung. Statt allgemeiner Analysen verlangen sie realistische, konstruktive Lösungen und individuelle Handlungsempfehlungen. Der Berater wird zum Weggefährten des Unter- nehmens, von dem fachliche Expertise und Persönlichkeit erwartet werden statt theo- retischer Denkmodelle aus dem Hörsaal, die überall nachzulesen sind. Die Inanspruchnahme von Beratung im Zu- sammenhang mit unternehmerischen Ent- scheidungen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Klugheit. Sie ist auch immer ein großes Stück Vertrauensvorschuss – sowohl für den Berater als auch für den Auf- traggeber. Große Unternehmen, wie etwa die Lufthansa, brauchen eigentlich keine Unternehmensberater. Wenn der Bundes- regierung vorgejammert wird, wie schlimm die wirtschaftliche Situation ist, werden ganz unbürokratisch die benötigten Milliar- den geliefert. Die Autoindustrie, die Bauern und die Banken können sich ebenfalls auf Zuwendungen aus dem (leeren) Staats­ säckel verlassen. Für alle anderen Unter- nehmen, vom etablierten Mittelständler bis zum kleinen Start-up, ist die Einbindung einer Unternehmensberatung oft sinnvoll oder sogar notwendig. Fehlendes Know- how, Ideenmangel, der Bedarf an speziel- len Kenntnissen, die beim eigenen Personal nicht ausreichend vorhanden sind oder die Notwendigkeit an methodischer Unter- stützung bei bedeutenden Vorhaben sind typische Situationen, in denen durch die externe Kompetenz das Unternehmen auf die Erfolgsspur kommt oder zumindest sta- bilisiert wird. Ganz objektiv und grundsätzlich betrach- tet, kann der Berater durch individuelle Handlungsempfehlungen helfen, die wirt- schaftliche Situation eines Unternehmens nachhaltig zu verbessern oder schwerwie- gende Fehlentscheidungen zu vermeiden. Das Image der Unternehmensberater wird aber auch durch tausende „Consultants“ belastet, die mangels beruflicher Erfah- rung und schwachem Persönlichkeitsprofil mit Wald- und Wiesenthemen und aufge- hübschten Bausteinkonzepten ihr Glück versuchen und einzig und allein bei der Honorargestaltung überdurchschnittliche Kreativität entfalten. Da überrascht es nicht, dass Unternehmensberatungen in der Öffentlichkeit auch häufig als organi- sierte Hochstapelei wahrgenommen oder mit dem Begriff Abzocke in Verbindung gebracht werden. Beraterauswahl und Honorargestaltung Der Begriff Unternehmensberater ist kei- ne geschützte Berufsbezeichnung und gesetzlich nicht geregelt. Lediglich der Bundesverband Deutscher Unternehmens- berater (BDU) sorgt durch Leitlinien, Wei- terbildung und Zertifizierung seiner Mit- glieder für ein gewisses Qualitätsniveau und für etwas Ordnung im Beratermarkt. Im Gegensatz dazu sind die Voraussetzun- gen für die Berufsausübung der Steuerbe- rater und Rechtsanwälte rechtlich klar und eindeutig definiert und können für den Ratsuchenden ein Orientierungsmerkmal sein, aber nicht automatisch ein Garant für werthaltige Beratungsergebnisse. Die Aus- gangssituation einen Rechtsanwalt zu kon- sultieren ist meistens recht eindeutig, in vielen Fällen sogar zwingend erforderlich. Die Gründe für die laufende Zusammen- arbeit mit einem Steuerberater sind auch allgemein bekannt. Aber bei Beratungs- bedarf zur Optimierung der Betriebsorga- nisation, der Vertriebsstrategie oder zur Personalentwicklung dem eigenen Steu- erberater oder Rechtsanwalt auch subs- tanziellen Sachverstand zu diesen Fragen zu unterstellen, kann ein schwerwiegender Irrtum bei der Auswahl eines geeigneten Beraters sein. Wer den Beratungsbedarf für sein Unter- nehmen erkannt hat, kann die Qualität eines Beratungsangebotes und den wirt- schaftlichen Nutzen der Arbeit zum Zeit- punkt der Beauftragung häufig nur schwer beurteilen. Nicht selten werden vom Be- rater Problemstellungen hochgespielt, um Unternehmensberater – Abzocker oder Wertetreiber? Wer auf die Bitte seiner Kinder nach Erhöhung des Taschengelds die Vorlage eines Businessplans und eine strategische Neuausrichtung des Spielzeugportfolios fordert, kann eigentlich nur Unter- nehmensberater sein. Das Image von Unternehmensberatern ist nicht uneingeschränkt positiv und die Gründe dafür sind vielfältig. Nicht immer arbeiten Berater so einzigartig kompetent wie die Wirtschaftsprüfer bei Wirecard oder die eingekauften Experten für die Bundeswehr. Oft werden als Beratungsergebnis nach vielen gut honorierten Projekttagen bedeutend klingende Strategie- modelle präsentiert, die mit der Unternehmenssituation wenig zu tun haben. Seit 1988 berät Reinhard Wingral rund 300 Franchisepro- jekte verantwortet und über 1.200 Gründungen begleitet. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Wingral & Partner Unternehmensberatung für Franchising und Innovation und Vorstandsvorsitzender der Global Franchise AG, die Beteili- gungen an Franchiseunternehmen hält und das Systemma- nagement junger Systeme führt. Einige grundlegende Inno- vationen für die Franchisewirtschaft stammen von ihm, u.a: • Initiator und geschäftsführender Gesellschafter der ers- ten Beteiligungsgesellschaft, die sich mit Risikokapital an Franchisesystemen beteiligt • Entwicklung und Realisierung des Berufsbildes „Franchise Management IHK“ • Begleitung von EU-Projekten zur Etablierung des Fran- chise in den baltischen Staaten Reinhard Wingral ist Mitglied in der International Lawyers Association (IFLA), im Business Angel Netzwerk Deutschland (BAND), akkreditierter Berater bei der Bürgengemeinschaft Hamburg und weiterer wirtschaftsnahen Organisationen. Kontakt: r.wingral@wingral.de Der Autor

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