franchiseERFOLGE Dez. 2021-März 2022

10 Entwicklungskosten für Franchisekonzepte sind hoch Ein Franchisekonzept ist ein Vertriebskonzept von vielen anderen, allerdings mit einigen wesent- lichen Besonderheiten. Bei Franchisekonzepten werden verschiedene Vertragstypen vermischt, weshalb man bei Franchiseverträgen auch von sogenannten Typenkombinationsverträgen spricht. franchiseWISSEN. Franchisekonzepte bilden oft sehr komplexe Geschäfts- und Vertriebsmodelle ab, welche zum Beispiel Nutzungsrechte an gewerblichen Schutzrechten wie Marken, Gebrauchsmustern, Urheberrechten, Designs, Layouts etc. enthalten. Ebenso gehören nachweislich funktionierende Organisations-, Marketing- und Verkaufsförderungskonzepte dazu und/oder ausgesuchte und exklusive Produkte und Dienstleistungen. Auch spezielle Hard- und Software und Internetmodule sowie besondere Einrichtungen und Ausstattungen und wirksame Schulungs- und Fortbildungskonzepte vervollständigen das als Franchisepaket bezeichnete Leistungsportfolio eines Franchisegebers. Um diese ganzen Module eines Franchisekonzepts zu entwickeln und diese dann ausführlich zu testen, muss ein Franchiseanbieter erst einmal erhebliche Vorinvestitionen tätigen und oft auch finanzieren. Eine solche Test- und Entwicklungsphase ist in der Regel erst einmal nicht ertragreich und wirtschaftlich. Erst wenn eine Erprobungsphase erfolgreich abgeschlossen ist, kann das Franchisekonzept rechtlich abgebildet und auf dem Markt angeboten werden. Bei der rechtlichen Abbildung von Franchisekonzepten gilt dabei immer der Grundsatz, contract follows concept, also dass der Vertrag sich an dem Franchisekonzept orientiert und nicht umgekehrt. In der Praxis findet man öfter „Muster“-Franchiseverträge, welche bei näherer Prüfung nicht zu dem darin geregelten Franchisekonzept passen und/oder umgekehrt. Für die Nutzung eines Franchisekonzepts hat der Franchiseanbieter die Erprobung seines Franchisekonzepts mit dem Nachweis der wirtschaftlichen Rentabilität für alle daran Beteiligte zu erbringen. Das kann je nach Konzept Monate und sogar Jahre dauern und ist mit erheblichen Investitionen und Kosten für einen Franchiseanbieter verbunden. Das Franchisemodell gilt deshalb auch als das kostenintensivste und teuerstes Vertriebskonzept. Es liegt daher in der Natur der Sache, dass diese Kosten eines Franchisekonzepts wieder erwirtschaftet werden müssen. Franchisekonzepte müssen daher gegen Gebühren angeboten werden, wenn man die hohen Entwicklungskosten als Franchiseanbieter wieder erwirtschaften will. Je nach Konzept gibt es eine Vielzahl von Gebührenoptionen, welche ein Franchiseinteressent vor Abschluss eines Franchisevertrages sorgfältig prüfen sollte. Insbesondere sollten diese Gebühren und Kosten eines Franchisekonzepts in einer Geschäftsplanung für einen Franchisenehmerbetrieb transparent berücksichtigt werden, und es muss geprüft werden, ob das Franchisekonzept an dem vorgesehenen Standort auch die geplanten Renditen erwirtschaften kann. Das gilt besonders heute in Pandemiezeiten. Seriöse Anbieter werden die gesamten Gebühren einem Franchisekandidaten bereits in den vorvertraglichen Aufklärungsdokumenten darstellen. Die wesentlichen Gebührenpositionen sind zum Beispiel bei Vertragsbeginn die sogenannten Einstiegsgebühren/Franchisegebühren, mit der in der Regel anteilige Entwicklungskosten des Franchisegebers abgegolten werden. Ein Franchiseanbieter wird seine Vorinvestitionen in sein Franchisekonzept in der Regel anteilig auf eine kalkulierte Anzahl von Franchisenehmern umlegen unter Berücksichtigung der Geschäftsplanung eines Franchisestandortes. Dass diese schon aufgrund der hohen Anforderungen an eine Know-how Abbildung eines Franchisekonzepts und der ausführlichen Erprobung vor Markteintritt nicht unerheblich sein können, sollte man als Franchisekandidat einkalkulieren. Schulungsgebühren für die Übertragung des System-Know-hows und die Einführung in das System können darin schon enthalten sein oder auch gesondert ausgewiesen werden. Hier ist besonders darauf zu achten, dass der Franchiseanbieter über wirklich tragfähiges und anwendbares Know-how verfügt, und in welcher Form das Knowhow abgebildet ist und wie einem Franchisepartner das Know-how übertragen wird und wie er es dann auch erfolgreich anwenden kann. Franchiseanbieter, die das zum Zeitpunkt eines Franchisevertragsabschlusses nicht umfänglich nachweisen können, sollte man sofort vergessen. Bei den Gebührenoptionen gibt es in der Praxis eine Vielzahl von unterschiedlichen Ansätzen. Als Franchiseinteressent sollten Sie immer nachfragen, welche Einstiegs- und welche laufenden Systemgebühren nach Vertragsschluss für welche Vertragsleistungen berechnet werden. Gibt es zusätzliche Gebühren wie zum Beispiel für die Nutzung von Hard- und Software, Marketing-/Werbegebühren etc. Daneben gibt es für Franchisegeber auch weitere Einnahmequellen, etwa bei Bezugsbindungen für Waren und Dienstleistungen, Einrichtungen und Ausstattungen oder laufende Schulungsleistungen, die mit Aufschlägen kalkuliert werden oder bei denen Handlingpauschalen anfallen. Das ist unproblematisch, wenn die Rentabilität für den Franchisenehmer dadurch nicht so stark eingeschränkt wird, dass diese unter dem Branchendurchschnitt liegt. Franchising macht eigentlich nur dann Sinn, wenn man mit dem Franchisesystem überdurchschnittlich wettbewerbsfähig ist und damit auch deutlich rentabler arbeiten kann, was die hohe Zahl der erfolgreichen Franchisesysteme eindrucksvoll beweist. Ein Franchiseinteressent muss trotzdem genau prüfen und abwägen, was ein Beitritt zu einem Franchisesystem von ihm an weiteren Leistungen verlangt. Das beginnt mit seinem Arbeitseinsatz und endet nicht bei dem erforderlichen Kapitaleinsatz. Es gibt Foto: © Dirk Wouters/pixabay.com

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