franchiseERFOLGE Dez. 2021-März 2022

8 hilfreiche Untersuchungen können bei Bedarf schneller erfolgen. Wenn der Patient in eine Klinik verlegt werden muss, sind bereits sämtliche Bilddateien per Mausklick dorthin übermittelt worden. Zeitraubende und zum Teil teure Doppeluntersuchungen werden vermieden. Besonders in Situationen wie der Akutversorgung von Schlaganfällen und Herzproblemen erhöhen diese Möglichkeiten die Chancen für den weiteren Lebensweg des Patienten ganz entscheidend. Deshalb ist es sicher kein Zufall, dass bundesweit bereits zahlreiche Neurologen in Netzwerken kooperieren. Die Zeiten, wo der Patient seine Röntgenbilder und Arztbriefe in großen braunen Umschlägen bei der Verlegung mit sich führt, sollte allmählich vorbei sein. Das tatsächliche Nutzungspotenzial hinkt aber teilweise auf Grund des Datenschutzes weit hinter seinen technischen Möglichkeiten her. Die BGH-Entscheidung der TruDent AG – ein Meilenstein für Franchisesysteme Ärzte, die in direktem Kontakt zu ihren Patienten stehen, sind auch grundsätzlich geeignet, als Franchisesystem aufzutreten. Laborärzte, Anästhesisten, Radiologen und einige andere Spezialisten dagegen eher nicht. Bei Franchisesystemen für Ärzte muss strikt beachtet werden, dass ärztliche Leistungen besonderen gesetzlichen Rahmenbedingungen unterliegen. Die Werbemöglichkeiten werden durch die Berufsordnungen und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) eingeschränkt. Ein stark vermintes Gelände, wie folgendes Beispiel zeigen soll. Im Jahr 2000 betrat mit dem Konzept TruDent (zu Beginn noch unter dem Namen Mac Dent) ein Franchisesystem für Zahnärzte den Markt, das sich recht schnell zum Marktführer in der Zahnheilkunde entwickelte. Aus persönlichen Gründen des Initiators und Hauptaktionärs wurde die TruDent AG als Franchisegebergesellschaft allerdings in 2019 aufgelöst . Das System bewies eindrucksvoll, dass die Vorteile nicht nur in der Theorie, sondern tatsächlich auch in der Praxis funktionieren. Aber es lag in der Natur der Sache, dass ein solcher Leuchtturm nicht nur das Interesse von Patienten auf sich zieht, sondern auch von Wettbewerbshütern und Interessenverbänden. Da ich persönlich viele Jahre als Vorstand in die TruDent AG eingebunden war, hatte ich permanent mit Prozessen zu tun. Aus denen gingen wir, bis auf ein paar Schrammen, letztlich stets als Gewinner hervor – nervig war es zeitweise trotzdem. Ärzten und Zahnärzten sind sachliche Informationen über die Berufstätigkeit gestattet, berufswidrige Werbung hingegen ist untersagt. Nach den Regelungen des UWG ist insbesondere eine anpreisende, irreführende, herabsetzende oder vergleichende Werbung als berufswidrig anzusehen. Weiterhin darf der Zahnarzt eine berufswidrige Werbung durch Dritte weder veranlassen noch dulden. Führt er berufswidrige Werbung durch oder veranlasst er die Durchführung durch einen Dritten, so stellt dies eine unlautere und damit unzulässige geschäftliche Handlung nach dem UWG dar. Der Franchisegeber dürfte also keine überregionale Werbung für das Franchisesystem machen. TruDent war ein Konzept zur Qualitätssicherung und zum Marketing für Zahnarztpraxen. Patienten bekamen sechs Jahre Garantie auf Zahnersatz oder Zuschuss für die Prophylaxe von ihrer Krankenkasse. Als Franchisegeber vergaben wir an die angeschlossenen Zahnarztpraxen nach erfolgter Qualitätsprüfung ein Qualitätssiegel („TruDent – Geprüfte Qualitätsstandards“ ). Im Mai 2005 führten wir eine Werbeaktion über die Verteilung von Werbepostkarten durch. Die Botschaft: „MacDent bietet Ihnen, was Sie Seit 1988 berät Reinhard Wingral rund 300 Franchiseprojekte verantwortet und über 1.200 Gründungen begleitet. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Wingral & Partner Unternehmensberatung für Franchising und Innovation und Vorstandsvorsitzender der Global Franchise AG, die Beteiligungen an Franchiseunternehmen hält und das Systemmanagement junger Systeme führt. Einige grundlegende Innovationen für die Franchisewirtschaft stammen von ihm, u.a: •  Initiator und geschäftsführender Gesellschafter der ersten Beteiligungsgesellschaft, die sich mit Risikokapital an Franchisesystemen beteiligt •  Entwicklung und Realisierung des Berufsbildes „Franchise Management IHK“ •  Begleitung von EU-Projekten zur Etablierung des Franchise in den baltischen Staaten Reinhard Wingral ist Mitglied in der International Lawyers Association (IFLA), im Business Angel Netzwerk Deutschland (BAND), akkreditierter Berater bei der Bürgengemeinschaft Hamburg und weiterer wirtschaftsnahen Organisationen. Kontakt: r.wingral@wingral.de Der Autor

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