franchiseERFOLGE Dez. 2018-Feb. 2019

Nach wie vor sind die besten Lagen der Innenstädte und in Einkaufszentren sehr gesucht, welche regelmäßig vom Franchi- segeber angemietet und dem Franchise- nehmer untervermietet werden. Zum einen liegt es daran, dass Vermieter bevorzugt an bekannte Franchisemarken vermieten statt an unbekannte Franchisenehmer. Zum an- deren haben Franchisegeber ein Interesse daran, Topstandorte auch nach Beendigung eines Franchisevertrages zu behalten und entweder selbst als Filiale oder durch neue Franchisenehmer weiter zu betreiben. In solchen Fällen sind Franchiseverträge und Untermietverträge auch regelmäßig verbunden mit der Folge, dass bei Beendi- gung eines der Verträge auch automatisch der andere verbundene Vertrag endet. Das kann unter anderem Fragen aufwerfen, wenn zum Beispiel solche Standorte kaum ohne hohe Maklerprovisionen angemietet werden können, und wie man solche Zu- satzkosten dann auf Franchisegeber und Franchisenehmer verteilt, insbesondere bei Beendigung eines Vertrages und dessen Rücknahme bzw. Übernahme durch den Franchisegeber. Als Franchisekandidat für ein stationäres Einzelhandelskonzept ist man zwar zunächst selbst für die richtige Wahl eines Standortes zuständig und erhält von einem Franchisge- ber erst einmal ein Anforderungsprofil für einen optimalen Systemstandort. Ein Fran- chisegeber hat natürlich anhand des Betrei- bens einer Vielzahl von Standorten einen In- formationsvorsprung und weiss in der Regel sehr genau, ob ein Standort das notwendi- ge Potenzial für den erfolgreichen Betrieb eines Franchisenehmers besitzt. Man sollte daher darauf achten, dass sich ein Franchi- segeber vertraglich zur Leistung einer in- tensiven Standortanalyse verpflichtet und nicht nur zur Vorgabe eines Standortprofils, das ein Franchisenehmer bei der Wahl eines Standorts zu berücksichtigen hat. Bei einer vertraglichen Verpflichtung zur Leistung einer Standortanalyse durch den Franchisegeber haftet dieser auch für die Qualität einer solchen Analyse und damit auch für die Folgen, die aufgrund einer fal- schen Entscheidungsgrundlage dem Fran- chisenehmer entstehen können. Da der stationäre Einzelhandel heute mit nicht sta- tionären Handelskonzepten im Internet in direktem Wettbewerb steht und diese vir- tuellen Handelskonzepte seit Jahren erheb- liche Umsatzzuwächse verzeichnen, kommt man als Franchisekandidat heute nicht mehr um die Frage herum, wie der jeweilige Fran- chiseanbieter diese Entwicklung in seinem System angemessen berücksichtigt hat. So sollte man prüfen, wie ein Franchisesys- tem im Internet auftritt, und ob der Fran- chisegeber das Internet zum Direktvertrieb auch selbst nutzt. Findet man als Kunde die im jeweiligen Ladengeschäft eines Systems angebotenen Waren des Systems auch im Internet, und wenn ja zu welchen Konditi- onen? Welchen Einfluss hat ein solcher Di- rektvertrieb eines Franchisegebers dann auf die Preise eines Franchisenehmers? Wäre dieser dann faktisch an die Preise seines Franchisegebers gebunden, und kann er dann tatsächlich seine Preise noch selbst frei gestalten? In diesem Zusammenhang ist daher auch der „virtuelle“ Standort eines Franchise- nehmers zu hinterfragen, zumal ein Fran- chisegeber einem Franchisenehmer einen solchen "Internetstandort" nicht grundsätz- lich verbieten kann, was bedeutet, dass ein Franchisenehmer neben einem stationären Ladengeschäft auch über das Internet ver- kaufen darf mit eigenem Webshop. Aller- dings kann der Franchisegeber, insbeson- dere wenn er Markenware vertreibt, diesen Internetvertrieb eines Partners vertraglich regeln und einschränken. So ist zum Beispiel aktives Marketing (z. B. E-Mail-Marketing etc.) in andere Vertrags- gebiete auch über das Internet durchaus eingrenzbar ebenso wie der Markenauftritt im Netz. Moderne Franchisesysteme haben proaktiv solche Fragen entsprechend beantwortet 12 Standorte bei Vertriebskonzepten und das Internet Stationäre Einzelhandelskonzepte und deren Umsatz und Rendite hängen vor allem vom Standort ab, weshalb bei derartigen Franchisekonzepten bis dato Standortsuche, Standortanalyse und Standort- sicherung zu den wichtigsten Prüfpunkten für einen Einstieg in ein solches System gehören. franchise WISSEN . Foto: © livertoon/shutterstock.com

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